4. August
Durch ein Versehen brachte man mir aus der Bibliothek die ,, Grübeleien" von Gustav Frenssen mit.
,, Hilligenlei" und ,, Jörn Uhl", seine beiden berühmtesten Bücher, habe ich nicht in besonders guter Erinnerung behalten, da mich vor vielen Jahren, als ich noch Schüler war, ein Pastor zwang, sie zu lesen, natürlich mit dem Resultat, daß ich mich mit Widerwillen daranmachte. Außerdem hat Goebbels in den vergangenen Jahren Frenssen als den ,, Nestor der deutschen Schriftsteller" beweihräuchert- aber das ist vielleicht gegen Frenssens Willen geschehen. Daß er nicht emigrierte, kann man ihm wohl verzeihen, denn er ist bereits hoch in den Achtzigern.
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Ich habe also das Buch doch angefangen zu lesen und entdeckte einen sympathischen, ernsten Autor, dessen literarische und philosophische Betrachtungen von einer so großen Menschlichkeit und so echtem sozialem Fühlen zeugen, daß es mich rührte und nicht mehr loslieẞ.
Ich will später auch seine anderen Bücher lesen.
5. August
Adi ist wieder für einen Tag hier, um die nötigen Materialien für sein Desinfektionskommando in Allach zu holen. Er war begeistert, als ich ihm die Broschüre von Grenier zeigte. Er nimmt sie morgen mit nach Allach und hofft, daß er sie dort mit Bob C. zusammen durcharbeiten kann.
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Meine Bewunderung für Adi, der eigentlich Adolf heißt, aber jetzt, nicht so genannt werden will, wächst ständig. Er sitzt bereits über elf Jahre erst fünf Jahre im Zuchthaus Straubing( wo er sich selbst Englisch und Französisch beigebracht hat) und nun schon sechs Jahre hier in Dachau . Und niemals in all den Jahren hat er auch nur einen Augenblick daran gezweifelt, daß seine politischen Ideen am Ende den Sieg davontragen werden. Er ist auch im Gegensatz zu einigen seiner Freunde nicht bei 1933 stehengeblieben, sondern hat seine
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