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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
Entstehung
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er über die vielen Freunde sprach, die wir bereits verloren hatten, über de Leeuw und Jansen und über die anderen, denen das Schlimmste noch bevorstand...

Über sich selbst beinahe kein Wort, aber er war voll unver­söhnlichen Hasses, als er über den Faschismus sprach und über auch bei uns unterstützt und ihm in diejenigen, die ihn den Sattel geholfen haben.

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Beim Zurückdenken an diesen Nachmittag in Vught fühle und weiß ich, daß mir Jan damals sein politisches Testament mit­geteilt hat. Darum schreibe ich es hier nieder und hoffe, daß es nicht verlorengehen wird. Und sehr schwer und bindend empfinde ich die auf mir ruhende Verpflichtung und das Ver­sprechen, das ich ihm gab, als wir von einander Abschied nahmen... für immer.

Vierzehn Tage später wurde Jan Postma hingerichtet. Es be­stand zwar ein Plan, ihn von seinem Außenkommando, auf das er noch geschickt worden war, zur Flucht zu verhelfen, aber es ist miẞlungen.

Ich weiß nicht wieso; ich weißẞ nur, daß es nicht hätte miẞ­lingen dürfen!

1. August

Heute wieder Fieber. Angina dazubekommen.

Ich müßte lügen, wenn ich behaupten würde, daß ich darüber sehr unglücklich wäre. Im Gegenteil! Nun kann ich bestimmt noch etwa zehn Tage hier im Revier bleiben, besonders da auch der Abszeß am Bein noch nicht völlig geheilt ist.

Abends

Am Nachmittag war Rheinhardt bei mir, um zu sehen, wie es mir geht.

Wir haben ausführlich über Grillparzer gesprochen, den er, wie übrigens fast alle Österreicher, sehr verehrt. Ich weiß noch, mit welcher Bewunderung auch Joseph Roth stets von ihm

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