eine Bewegung, als ob er den Abzugshahn eines Gewehrs drückte. Dann erklärte er mir mit vieler Mühe, mit großem Aufwand an Gebärden und den wenigen deutschen und fran zösischen Brocken, die er hier aufgeschnappt hat, ich müßte schreiben: ,, Ich denke viel an Vater, er wird uns beiden bestimmt helfen, unser Haus wiederaufzubauen."
Als ich vorsichtig fragte, ob sein Vater also doch nicht totgeschossen sei, wie ich eigentlich verstanden hatte, antwortete er ein bißchen ungeduldig: ,, Vater puff- puff!- Tito uns helfen!" Ich beneide Marco beinahe! Er hat eine Zukunft und ein Ideal, dem wir nichts Gleichwertiges gegenüberzustellen haben. Und ich glaube, wenn ich noch so jung wäre wie er, würde ich ihn noch viel mehr beneiden...
31. Juli
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Ich weiß nicht, warum ich gestern abend- und fast die ganze Nacht hindurch an meine letzte Unterredung mit Jan Postma denken mußte. Vielleicht kam es durch Marco und seine Zukunftsgläubigkeit, durch seine Begeisterung?
Auf jeden Fall steht mir diese Unterredung wieder klar vor Augen: Es war in Vught. Ich glaube im März. Ich wußte bereits seit einigen Tagen, daß er da war, als Chris Smit zu mir kam und sagte, daß Jan mich sprechen wollte.
Er lag in R II, und ich empfinde wieder das Gefühl tiefer Freundschaft und Zuneigung, das mich erfüllte, als ich zu ihm ging. Wochenlang war er verhört, geschlagen, gemartert und gefoltert worden; wochenlang hatte er in Eisen gelegen, und wochenlang waren alle Versuche der Gestapo , ihn zum Reden zu bringen, vergeblich geblieben.
Als ich bei ihm eintrat, saß er auf seinem Bett, doch er stand sofort auf und ging mir entgegen. Obwohl er sehr mager geworden war und sein Gesicht hager und blaß, war der Ausdruck seiner Augen noch derselbe wie bei unserer letzten Begegnung vor über zwei Jahren, im November 1940- in Groningen .
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