Ein Glück, daß wir bereits mehr als zweieinhalb Stunden Luftalarm haben, dadurch konnte ich alles so ungestört und so ausführlich aufschreiben.
29. Juli
Die deutschen Freunde sind sehr aufgeregt, und hier im Revier ist ein ständiges Kommen und Gehen, denn in den letzten Tagen hatten wir im Lager viele neue ,, Zugänge". Ausschließlich Deutsche . Meist Bayern . Eine Folge des miẞglückten Anschlags auf Hitler . Unter den Neuen sind viele Sozialdemokraten und ehemalige Gewerkschaftsfunktionäre sowie Katholiken und einige Kommunisten. Sie brachten uns viele Neuigkeiten von ,, draußen" mit und sind alle davon überzeugt, daß es nicht mehr lange dauern kann.
Heini erzählte mir beinahe erfreut, daß er mit vielen alten Bekannten aus seiner Vaterstadt Nürnberg gesprochen habe; Sozialdemokraten, die er nun nach über zehn Jahren( so lange sitzt er schon!) hier wiedergesehen hat.
Er war stolz darauf, daß auch sie während der ganzen Zeit ihrer Überzeugung treu geblieben sind und kein einziger etwa Mitglied der NSDAP geworden ist.
Viele von ihnen haben auch bereits längere oder kürzere Zeit gesessen, und es sind sogar einige dabei, die schon zum zweitenmal hier sind.
30. Juli
Marco ist der Liebling unserer Stube. Er ist Slowene, fünfzehn Jahre alt. Er wurde als Kurier verhaftet.
Heute wollte er einen Brief an seine Großmutter schreiben, die im Frauenlager Ravensbrück sitzt, und der Oberpfleger hat ihn zu mir geschickt, damit ich ihm dabei helfe. Als ich ihn nach seinen Eltern fragte, antwortete er, da er sehr schlecht Deutsch kann, nur: ,, Puff puff" und machte dabei
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