Druckschrift 
Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
Entstehung
Seite
45
Einzelbild herunterladen

,, War es so richtig, Piet?" fragte er ein paarmal- als ob er wußte, daß er sterben würde. Piet war für ihn ,, die Partei", und ihr galten seine letzten Gedanken, selbst bis in seine Be­wußtlosigkeit hinein.

Nach dem Appell

Gerrit van den Bosch ist von unserem Transport der erste, der starb; wie viele werden noch folgen?

Er hat bis zum letzten Atemzug gekämpft. Diese so oft miẞ­brauchten Worte kann ich in seinem Fall mit gutem Gewissen niederschreiben, ohne daß es übertrieben wäre... nein, es ist die bittere Wahrheit: bis zum letzten Atemzug! Sein ganzes Leben war Kampf, sowohl vor 1940 als danach in Vught und hier in Dachau . Daß er nicht mehr lebt, nicht mehr bei uns ist, das werden wir sehr fühlen und es ganz besonders mer­ken, wenn sich die Zustände hier in Kürze noch mehr zu­spitzen werden. Bei Andersdenkenden war er nicht sehr gern gesehen, aber wir liebten ihn, denn er war so echt, so fest überzeugt und so sauber, trotz einiger Unvollkommenheiten. Viele glaubten, er sei nur ein nüchterner Politiker, weil er mit ihnen ausschließlich über Politik sprach. Sie kannten ihn nicht, wie wir ihn kannten, als den guten, zuverlässigen Freund, der für seine Freunde durch dick und dünn ging. Auch kna­benhaft ausgelassen konnte er sein. Ich erinnere mich lebhaft an einen Abend in Vught, in der Quarantäne, als ungefähr dreißig Belgier, die aus der Zitadelle von Huy kommend frisch eingetroffen waren, erst einige Vorträge zum besten gaben und dann Harmonikamusik machten. Noch sehe ich Gerrit mit Wout Kalf tanzen und der hatte damals auch bereits fast drei Jahre Lager hinter sich!

Eine Stunde später

Haben diejenigen, die Gerrit so nicht kannten und auch das bei ihm nicht suchten, wenigstens das heilige Feuer gespürt, das in ihm brannte? Die tiefe Leidenschaft gefühlt, die ihn

45