18. Juli
Soeben war Dr. H. bei mir, um mich zu fragen, ob mir der Name Dr. Rheinhardt, oder besser E. T. A. Rheinhardt, etwas sage ein österreichischer Arzt, der ein ziemlich bekannter Schriftsteller zu sein scheint, und der seit heute auch Arzt bei ihm in Block 7 ist. Dort hat ihn Dr. H. kennengelernt. Ich konnte H. soviel Informationen über Dr. Rh. geben, daß er aus dem Staunen nicht herauskam: Arzt und Psychoanalytiker, ein Schüler Freuds , Freund von Rilke , Dichter und vor allem Verfasser historischer Biographien( ,, Der große Herbst Heinrichs IV." ,,, Kaiserin Eugenie " und einige andere, deren Titel mir im Augenblick nicht einfielen), Autor eines Buches über Eleo nora Duse , das auch ins Holländische übersetzt ist, Mitarbeiter der ,, Neuen Rundschau" und am ,, Tagebuch", ehemaliger Lektor beim Drei- Masken- Verlag, wohnte jahrelang in Süd frankreich und Italien , war mit einer Engländerin verheiratet, ist ein glühender, österreichischer Patriot.
Ich kenne ihn von Berlin her, habe ihn oft bei Egon Erwin Kisch getroffen, und sprach ihn zuletzt in Paris bei einer Friedensdemonstration. Daß er hier ist, kann einen Gewinn für uns bedeuten, und ich freue mich darauf, ihn wiederzusehen.
19. Juli
Rheinhardt gesprochen. Als ich in seine Stube kam, war er gerade mit einigen französischen Ärzten in eine interessante Debatte verwickelt, die behaupteten, daß Österreicher eigentlich doch auch Deutsche wären. Er antwortete ihnen mit einem Wort von Painlevé: ,, L'Autriche, c'est un foyer de l'esprit, qui ne doit pas s'éteindre*."
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Rheinhardt wurde von den Italienern in Südfrankreich verhaftet. Wegen angeblicher Vorbereitung eines bewaffneten Aufstandes, in Zusammenarbeit mit französischen Freunden so
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