ben, was ich gern geschrieben hätte... Doch ich war der Ansicht, daß es geschehen und allem anderen übergeordnet werden mußte.
Nachdem unser Land überfallen und geschlagen worden war, habe ich weiter so gehandelt. In anderer Art und Weise, doch darum nicht weniger leidenschaftlich. Dann habe ich mich in die Höhle des Löwen selbst eingeschlichen und erreicht, daß vieles von dem, was sie herausgeben wollten, nicht erschienen ist, und daß manches erschienen ist, was sie nicht herausgeben wollten- und auch eigentlich nicht durften. Ich sabotierte alle Naziliteratur und habe ,, ihnen" klassische und demokratische Autoren gleichsam aufgedrängt.
Das schien mir ein großer Erfolg, und ich war damals so stolz darauf. Es war ein gefährliches Spiel- das ja letztlich auch schief gegangen ist-, aber war es auch wirklich genug? Nein, Widerstand nur mit geistigen Mitteln genügt jetzt nicht mehr, denn wenn die geistigen Werte mit Hilfe materieller Waffen vergewaltigt werden, müssen sie auch mit Hilfe materieller Waffen wieder befreit werden. Niemals habe ich das so klar und deutlich gefühlt und begriffen als in dem Augenblick, als ich im Gefängnis in St. Gilles- Forest hörte, daß Paul Colin, der Chefredakteur des ,, Nouveau Journal", durch den Studenten Fraitteur erschossen worden sei.
Für diese Tat und für den jungen Fraitteur werde ich stets eine besonders tiefe Bewunderung empfinden! Er ist den Weg
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den richtigen Weg- gegangen, den ich einzuschlagen gezögert habe.
16. Juli
Die Jagd nach Papier ist bei mir zu einem richtigen Sport geworden, und ich frage jeden danach, von dem ich auch nur im entferntesten vermute, daß er mir Schreibpapier verschaffen könnte.
Die ganze Stube beteiligt sich bereits an diesem Spiel, und sie schleppen alles mögliche an, sogar alte Zeitungen oder Pack
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