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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
Entstehung
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heit, die ihm vorschwebte, war auch eine ganz andere als die, für die wir kämpfen.

Von dem revolutionären Faktor unseres achtzigjährigen Krie­ges, vom Protestantismus , wollte er ebensowenig etwas wis­sen, wie von Alba. Er kämpfte gegen Philipp auch keines­wegs obwohl es uns in der Schule gelehrt wurde

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an der

Spitze der holländischen Bürgerschaft. Er gehörte dem Adel an, dessen Interessen nicht dieselben waren wie die der Bür­ger. Obwohl er oft deren Partei gegen die Spanier ergriff, bildete er doch auch häufig gerade weil er zum Adel ge­hörte eine Front mit den Spaniern gegen die niederländi­schen Städte. Er wäre sicherlich gern unabhängig von Philipp gewesen, doch immer noch lieber glaube ich- Edelmann von Philipps Gnaden, als Bürger einer Republik der Nieder­lande. Er ist übrigens niemals Protestant geworden, sondern Katholik geblieben, und der Bruch mit Spanien ist auch be­stimmt nicht von ihm ausgegangen. Egmonts Haltung war wankelmütig, mußte es sein, weil er im Grunde Philipp näher­stand als dem Volke.

Nach dem Bildersturm, mit dem der wirkliche Aufstand be­gann, eilte er in seiner Eigenschaft als Statthalter sofort in seinen ,, Gau ", um ,, Ruhe" und ,, Ordnung" wiederherzustel­len, ließ viele Führer der Widerstandsbewegung hinrichten und versuchte, die Protestanten zu ,, beruhigen". In Philipps Interesse!

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Aber auch Philipp wollte von seinen Mitläufern- genau wie jetzt der Faschismus nicht nur einen kleinen Finger, son­dern die ganze Hand. Weil er den Protestanten einige, klei­nere Zugeständnisse gemacht hatte, beschuldigte man Egmont also einfach des Hochverrats! Ein Verfahren, das auch in den letzten Jahren wiederholt mit Erfolg angewandt worden ist! Und genau wie jetzt dergleichen Herren gegenüber dergleichen Herrschaften, erwiesen sich damals auch Philipp und Alba als ,, vergeßlich und undankbar".

Auch Egmont glaubte, ihm könne nichts passieren, aber er wurde trotzdem gefangengenommen und trotzdem hingerich­tet! Genau wie heute so viele, die Hitler in den Sattel gehol­

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