26. Juni
Wir haben heute saubere Unterwäsche bekommen, und dabei mußte ich wieder an Telders denken, an einen Morgen in Vught im ,, Bad ". Wir standen, ungefähr hundert Mann, dicht gedrängt in dem viel zu kleinen Raum, und Emil, der deutsche Kapo, schlug wieder wild mit seinem Stock drauflos. Die Unterwäsche, die uns wahllos zugeworfen wurde, war diesmal noch kleiner und enger als sonst. Ein Professor aus Leiden, der erst kurze Zeit im Lager war, hielt ratlos eine viel zu enge Unterhose in der Hand und sah sich hilfesuchend um. Telders lachte. Weise und ungezwungen: ,, Die Lösung des Problems ist sehr einfach, Kollega: einreißen
ter", und er ließ seinen Worten die Tat folgen. Einreißen nichts weiter!
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nichts wei
Wieviel Kraft ging doch von ihm aus, und wie schade, daß er nun nicht mehr bei uns ist.
27. Juni
Auf der schmalen Straße zwischen Block 7 und 9 sah ich heute vormittag den Jesuitenpater van G. und neben ihm den früheren NSB- Priester* de Leeuw, der vor einem Monat mit uns zusammen aus Vught hierhergekommen ist. Die meisten von uns schenken de Leeuw keine Beachtung, lassen ihn links liegen, doch heute scheint er von einem seiner kirchlichen Vorgesetzten zur Verantwortung gezogen worden zu sein. Van G.s Gesicht schien mir noch strenger als sonst, sein Gang würdevoller, ja er schien selbst größer als er eigentlich ist. Beinahe zwei Stunden lang sind sie die Lagerstraße auf und ab gelaufen. Beide Häftlinge aber welch ein Unterschied! Van G. über den Dingen und seiner Umgebung stehend, sich der Macht seiner Kirche wohl bewußt, urteilend nach den Vorschriften
* Die Organisation der niederländischen Nationalsozialisten( Anm. des Verlages).
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