Die Dachauer Lagerbibliothek- das wäre etwas für ihn! Hoffentlich hat er den ,, Wilhelm Meister" und die Essays von Schmidt- Degener gefunden, die ich ihm unter seine Matratze geschoben habe.
Abends
Telders sieht beinahe aus wie ein etwas heruntergekommener römischer Kaiser: Ein außergewöhnlich großer Kopf auf einem beinahe plumpen, muskelarmen Körper. Er ist auch völlig unsportlich, aber verfügt über enormen geistigen Charme, der mich vom ersten Augenblick an fesselte. Einige behaupten, er sei hochmütig, aber das stimmt ganz und gar nicht. Weil er das tägliche, unfruchtbare, kleine Nörgeln und Quengeln nicht mitmacht? Weil er schon zu lange sitzt, um sich an den ewigen Gesprächen über baldige Entlassung und Nach- HauseGehen zu beteiligen? Das hat doch nichts mit Hochmut zu tun!
23. Juni
Heute wieder Fieber: 38.8.
Der Abszeẞ eitert.
Darf nicht aufstehen.
Chinin bekommen.
24. Juni
44,
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Muẞte wieder lange an Telders denken. Er war der Mittelpunkt meines Lebens in Vught. Wir aßen am selben Tisch- Baracke 17, bei Chris schliefen nebeneinander und standen beim Appell nebeneinander. Jeden Morgen- ob gutes oder schlechtes Wetter war liefen wir zweimal durchs Lager, und abends nach dem Appell ebenso. Ich glaube, wir haben unsere freie Zeit gut genutzt und nicht nur mit sinn- und zwecklosem Gerede vertan.
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