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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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Er bezeichnete das als kommunistische Propaganda und fand es außerdem etwas zu billig.

Vielleicht hätte ich wirklich anders argumentieren müssen, aber nun habe ich es eben gesagt. Er kann auch ruhig einmal über etwas ,, Billiges" nachdenken!

Übrigens glaube ich, daß wir unmöglich komplizierte Pro­bleme lösen können, solange wir nicht imstande sind, die ele­mentarsten Wahrheiten zu begreifen.

13. Juni

Die Tage gehen hier noch immer so friedlich und still vorbei, daß es mich bedrückt und oft beunruhigt. In mei­ner Stube liegen keine Schwerkranken, wohl aber in den an­deren Baracken; doch davon merken wir nichts. Wir wissen nicht, was dort geschieht, und nicht, wie viele dort täglich sterben.

Ich habe den Österreicher, der schon seit über vier Jahren hier arbeitet, nach den Versuchen mit Malariabazillen gefragt, von denen der Pole soviel erzählt und die, seiner Behauptung nach, hier im Revier drei Meter entfernt vorgenommen werden. Er ging aber nicht auf dieses Thema ein, und ich konnte deutlich erkennen, daß er nicht darüber sprechen wollte!

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14. Juni 44.

Wie lange werden wir wohl hierbleiben?

Werden sie uns noch in andere Lager schleppen? Ich hoffe, daß ich mich in Dachau werde halten können. A., der es wis­sen muß, sagt, es wäre besser als auf Außenkommando. Hier ist die Zentrale, und dadurch gibt es auch viel mehr Möglich­keiten. Später gegen Kriegsende wird es vielleicht in einem kleinen Außenkommando sicherer sein. Denn was dann hier geschehen wird, weiß man nicht A. befürchtet das Schlimmste... Zu lange im Revier liegen ist auch nicht gut­

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