dazubleiben und bedeutete ihm, daß er nicht mehr in die Baracke zurückdürfe. Der Zeuge war krank, er war ohne Mantel, nur in der Jacke, in Hosen und zerrissenen Schuhen herausgekommen und mußte so den ganzen Tag bei großer Kälte im Freien bleiben. Am nächsten Tage konnte er sich nicht bewegen, worauf ihn der Blockleiter mit der Faust ins Gesicht schlug, daß er blutüberströmt zusammenbrach. Nach einer Stunde stand er auf. Der Blockleiter rief ihn von neuem und befahl ihm, zwei Stunden neben der Wache zu stehen. Darauf führte er ihn in den Bunker, schlug unterwegs mit seinem dicken Stock unbarmherzig auf ihn ein, ganz gleich, wohin er traf, auf den Kopf, ins Gesicht oder auf die Beine, so daß der Zeuge nicht mehr zu erkennen war. Darauf rief der Sekretär einen vom J. O.-D. und befahl, den Bewußtlosen in den Bunker zu schleppen.
Der Bunker hatte Betonwände und ein durchlöchertes Dach. Überall waren Risse, durch die die Kälte eindrang. Auf dem Fußboden lag der Zeuge lange Zeit ohne Bewußtsein. Außer ihm befand sich noch ein Häftling dort, der 25 Hiebe für das Aufheben einer Kartoffel bekommen hatte. Um 12 Uhr nachts kam der betrunkene Lagerleiter mit dem Stock in der Hand. Dem auf der Erde Liegenden befahl er, schnell aufzustehen. Da er dies nicht konnte, bekam er Schläge mit dem Stock. Dem Leidensgenossen wurde befohlen, ihn herauszubringen. Dann wurde er gefragt, wofür er sitze. Der Zeuge antwortete, daß er sich krank gemeldet hatte und für einen Tag leichtere Arbeit wollte. Er mußte sich dann auf eine Bank legen und bekam fünfundzwanzig Hiebe mit dem Stock. Durch Wunden und Schläge so geschwächt, daß er kaum sprechen konnte, bat der Zeuge um Tod durch Erschießen. Der Lagerleiter antwortete jedoch, daß er ihn zu Tode quälen und schlagen würde. Er befahl dann dem anderen, ihn wieder in den Bunker zu schleppen, worauf jener auch fünfundzwanzig Hiebe bekam. Dann lagen sie beide halb tot bis zum Morgen.
Am Morgen kam der Blockleiter und schlug sie wieder. Ohne Essen und Trinken blieben sie mit ihren Schmerzen achtundvierzig Stunden liegen. Danach ließ man sie heraus und gab ihnen einen halben Liter Suppe und 300 Gramm Brot.
Vier Wochen lang litten beide unter schrecklichen Schmerzen. Der Zeuge konnte nicht liegen. Er war vollständig geschwollen. Man konnte kaum die menschliche Gestalt erkennen. In diesem Lager blieb er bis April, worauf er mit hundertfünfzig anderen nach Neckarels gebracht
wurde.
Die ganze Zeit hatten die Häftlinge keine Gelegenheit, sich zu waschen oder zu baden. Alle waren vollkommen verlaust. Das Brot war stets schimmelig, die Suppe aus Gras gekocht. Dies sind die Zeugenaussagen des Zacharias Dajdel, 18 Jahre alt, geb. in Grojec bei Warschau , Häftling Nr. 169.
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