Funken des Zuges in der Ferne sah, grub ich mich aus dem Schneehaufen heraus. Wohin fliehen? Ich hatte quälenden Hunger, denn einige Tage lang hatte ich weder gegessen noch getrunken. Ich wollte mich in irgend einer Scheune verbergen und mich dort ausschlafen, aber so, daß mich niemand bemerkte. Das wichtigste war, die Nacht durchzuschlafen. Ich entdeckte eine Scheune im Feld und ging darauf zu, aber die Hunde fingen an zu kläffen, und der Bauer, der einen Dieb befürchten mußte, kam mir entgegen. Ich wußte, was mich erwarten könnte. Der Bauer sah mir ins Gesicht, es war hell genug durch den Schnee, und fragte mich, wohin ich wolle. Ich sah ein, daß ich hier nicht übernachten konnte, und bat ihn, mir eine Fahrkarte nach Sandomir zu lösen. Ich hatte dort Bekannte und wußte, wo und wie man sich dort verbergen konnte, ich hatte dort auch Handwerkskollegen, die mich aufnehmen würden. Er antwortete, daß er jetzt in der Nacht keine Fahrkarte bekomme und riet mir, nach Opatow zu gehen. Dorthin gingen polnische Arbeiter, die keine Verräter waren, und zeigten mir genau den Weg.
Ich begann meine Wanderung. Plötzlich rief mich eine Frau an, ich solle auf sie warten. Sie erkannte mich und fragte, ob ich auch aus dem Zuge gesprungen sei wie sie. Sie wolle nach Staszow und bat mich, mit ihr zusammen zu gehen. Ich war sehr froh darüber. Sie sah wie eine Arierin aus; damit ich nicht erkannt werden konnte, zog ich die Mütze ins Gesicht und verschmierte mein Gesicht mit Schnee und Schmutz.
Durch Schnee und Frost gingen wir vorwärts und wußten nicht, ob wir den richtigen Weg einschlugen. Wir kamen auf die Landstraße. Es fing an zu tagen. Einen vorüberfahrenden Kutscher fragte die Frau, wie spät es sei. Er antwortete, es sei fünf Uhr. Bis Opatow seien es noch zwei Kilometer. Da wir wußten, daß Opatow eine größere Stadt ist, wo viel Gendarmerie war, beschlossen wir, die Stadt in aller Frühe zu passieren, damit wir nicht erkannt würden. Wir kamen in die Stadt. Meine Gefährtin sagte mir, daß sie gar nichts mehr besitze, da ihr nach dem Abspringen ein ukrainischer Eisenbahnangestellter die Ringe und Ohrringe abgenommen hätte unter der Androhung, daß er sie sonst der Polizei ausliefern würde. Ich teilte mit ihr die letzten 250 Zloty, die ich noch hatte. Sie ging in der Richtung Lagow und ich nach Sandomir. Als ich durch das Dorf Wlostow kam, bemerkte ich Heufuhren. Auf meine Bitte nahm mich ein Bauer auf seinem Wagen mit. Er erkannte mich, deckte mich gut mit Heu zu und gab mir seine Decke, damit ich nicht friere. Ich schlief sofort ein. Unser Lager befand sich zwei Kilometer von Sandomir. Ich hatte ihm gesagt, daß unser Lager auf der HalickaStraße liege, und ich dorthin gehen würde. Als wir dort ankamen, weckte er mich, ich gab ihm 50 Zloty und er machte Einkäufe. Ich aber ging, ohne mich aufzuhalten, ins Lager.
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