verlas die Namensliste, die Aufgerufenen mußten zur Seite treten. Die andern wurden von den SS-Banditen umstellt und in die Stadt zum Bahnhof gebracht. Unterwegs schlugen und schossen sie, so daß der Weg zum Zuge mit Leichen übersät war. Auf den Zug hat man einige Tage warten müssen, bis die Bevölkerung aus Pokrzywnica, Klementow, Opatow und der ganzen Umgebung beisammen war. Für diese Unglück- lichen hatte die Pein noch früher begonnen. Sie wurden auf bestialische Weise zum Bahnhof getrieben. Unterwegs wurden sie geschlagen und mißhandelt. Wer nicht mitkommen konnte, wurde zu Tode geprügelt, im Glücksfalle erschossen. Unterwegs wurden Brot und Lebensmittel weggenommen. Viele brachen vor Hunger und unter den Schlägen zusammen. Die Beamten der Strafexpedition fuhren auf Kraftwagen und Fahrrädern, die Leute wurden zu Fuß gejagt, es war ein Gewaltmarsch. Kleine Kinder erledigte man auf die Weise, daß man sie bei den Füßen packte und mit dem Kopf und Rumpf gegen eine Mauer schlug.
Auf dem Bahnhof von Sandomir wurden die Menschen in Güter- wagen verladen, je 120 Personen in einen Wagen, und zu den Ver- - nichtungsstätten abtransportiert.
Außer dem Bezirksleiter von Bülow war noch ein SS-Major da, der mit ihm gemeinsam das geschaffene Lager leiten sollte. Auf die Fragen der übriggebliebenen Facharbeiter, wo die Frauen und Kinder hinge- kommen seien, antwortete von Bülow, daß er sich um ihre Rettung be- müht hätte, aber nichts mehr erreichen konnte, da alles schon verloren war. Für sie selbst habe er keine Erlaubnis, sie als Facharbeiter zu be- schäftigen, sie könnten nur als gewöhnliche Arbeiter eingestellt werden.
Er brachte alle zum Leiter der landwirtschaftlichen Abteilung auf der Zawyhowska-Straße, wo landwirtschaftliche Geräte aufgestapelt waren. Hier wurden sie zur Arbeit zugeteilt. Sie mußten auf den Landstraßen und beim Verladen von Säcken in einer Mühle arbeiten. Abends nach der Arbeit kamen alle ins Lager zurück. Jeder fiel weinend auf seine Pritsche, alle hatten endgültig ihre Familien verloren.
Des Morgens wurde man wieder zur Arbeit geholt. Dies dauerte einige Tage. In einer Nacht wurden wir geweckt, der Bezirksleiter ver- kündete, daß er die Erlaubnis zur Bildung von Werkstätten erhalten habe. Wir richteten Werkstätten für verschiedene Berufe ein und nun ging es uns besser. Wir arbeiteten unter der Kontrolle von SS-Männern, keiner durfte den Raum verlassen. Falls Einkäufe notwendig wurden, führte ein SS-Wachmann einen oder zwei Juden zur Stadt; dabei über- zeugten wir uns, daß wir in der Stadt keine Verwandten mehr hatten. Das Leben wurde uns gleichgültig. Wir arbeiteten monoton von früh bis spät.
Am 4. Januar 1943 morgens sahen wir wieder unser Lager von SS-Männern und Gendarmerie umstellt. Wir begriffen, daß der drei- monatige Termin abgelaufen sei und daß wir nicht mehr gebraucht
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