Kinder in die Gaskammern, gab ihnen Handtücher und Seife und sagte ihnen, daß sie jetzt ins Bad gingen. An Stelle des Wassers kam Gas.
Nach der Wegschaffung der Kinder überkam das Ghetto eine furchtbare Trauer. Trotzdem neue Transporte ankamen und abgingen und trotz anderer Unglücksfälle konnte nichts den schrecklichen Eindruck auslöschen, den das Wegnehmen der Kinder hinterlassen hatte.
Die Arbeit war sehr schwer. Die geforderte Produktionshöhe mußte trotz dauerndem Hunger erreicht werden. Bei jeder Massenaktion wurden die Lebensmittelrationen einbehalten, damit sich die Leute nicht verbergen konnten. Sie stellten sich lieber freiwillig, weil sie sonst verhungert wären.
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Das Ghetto bestand vom November 1939 bis zum August 1944. Trotz der Massenmorde befanden sich im Juli 1944 noch etwa siebzigtausend Juden dort. Schließlich wurde nach Ressorts" liquidiert. Zum bestimmten Termin muße sich das Personal der einzelnen„ Ressorts" stellen. Am Schluß wandte sich der SS - Kommissar des Ghettos Bibow verführerisch an seine werten Juden" und forderte zur freiwilligen Stellung auf, er erlaube auch, daß die besten Sachen mitgenommen werden dürften. Aber die Verlockungen halfen nicht. Da kam er selbst mit einem Rollkommando in den Ghetto- Bezirk und hielt Haussuchung. An solchen Tagen gab es kein Essen, denn jeder, der Brot holen ging, konnte unterwegs verhaftet werden. Die Gestapo tauchte überall auf und schnitt alle Wege ab. In der Nacht versuchte man dann Essen zu besorgen, in der Nacht kochte man, aber verbarg sorgfältig den Feuerschein.
Der Präsident Rumkowski erließ Aufrufe und Bekanntmachungen, daß sich die Leute freiwillig stellen sollten, es werde ihnen nichts geschehen, sie würden nicht von ihren Familien getrennt werden, und es werde ihnen besser als im Ghetto gehen. Es werde nur deshalb evakuiert, weil die Rote Armee sich nähere und es sei sogar gestattet, die Kranken mitzunehmen. Das wirkte endlich und die Leute begannen, sich nach ,, Ressorts" geordnet zu stellen. Es ging zunächst nach Radegast. Man zerbrach sich den Kopf und konnte sich nicht erklären, wohin die Fahrt ging. Die Züge gingen alle nach Oswiecim . Abgrundtiefe Hoffnungslosigkeit kam über die Bevölkerung des Ghettos. Da man den Tod vor Augen sah, begann man alles zu zerstören. Die Judenmarken, das Geld, das man anfangs nur für das Ghetto herausgegeben hatte - Papierfetzen mit dem jüdischen Stern in verschiedenen Farben und der Unterschrift des Ch. Rumkowski-, lagen auf der Straße herum, alles war wertlos geworden.
Vom Beginn bis zur Liquidierung bekam man im Ghetto 2 Kilogramm Brot in der Woche, außerdem gab es gewöhnlich für zwei Wochen folgende Lebensmittelrationen: 2 Kilogramm Kartoffeln, einige Kilogramm Gemüse( Rüben oder Kraut), 450 Gramm Zucker, 400 Gramm Marmelade,
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