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Geopfertes Volk : der Untergang des polnischen Judentums / M. Chersztein ; deutsche Übertragung von Jolanta Münch
Entstehung
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1 Pfund Mehl, Grütze oder Haferflocken, 100 Gramm Oel oder Margarine, außerdem zweimal Suppe im Ressort". Bei dieser Ernährung starben die Leute massenhaft. Alle zwei Wochen fanden deutsche Inspektionen statt, bei denen diejenigen, die krank aussahen, weggeholt wurden.

Der Ghettokommissar Bibow hatte zwei Gehilfen: Fuchs und Ge­schwind. Fuchs spielte die erste Rolle bei den Transporten, Geschwind war dabei Antreiber.

Ganz zum Schluß der Liquidierung brachte der Ghettokommissar Bibow alle Ressortleiter, die Polizei, die Wache und alle anderen Be­amten gemeinsam unter und versprach ihnen, daß sie auf besonders gute Stellen verschickt würden. Sie erwarteten wirklich etwas beson­deres. Aber eines Tages erschien auch bei ihnen das Rollkommando, befahl, daß im Laufe von zehn Minuten alles zur Abreise bereit sein müsse, und stellte auf der einen Seite die Männer, auf der anderen Seite die Frauen auf. Eine Panik brach aus. Die Leute errieten instinktiv, was für ein Schicksal sie erwartete, unter unbarmherzigen Schlägen und Miẞhandlungen bis aufs Blut mußten sie sich fügen, und nach zehn Minuten marschierte alles nach Radegast mit Kindern und Gepäck, wo man sie in Waggons verlud und nach Auschwitz brachte.

Dort wurden die Türen aufgerissen. Es kam der Befehl:" Ohne Ge­päck heraus!" Alle Pakete wurden aus den Händen gerissen. Männer, Frauen und Kinder wurden getrennt aufgestellt. Dann wurden die Frauen abgeführt und von einem höheren Beamten nach Alter in verschiedene Gruppen aufgestellt. Man führte sie zum Bad, befahl ihnen, sich nackt auszuziehen, niederzuknieen, worauf ihnen die Köpfe, Achselhöhlen usw. rasiert wurden. Dann wurden die Schuhe, angeblich zur Desinfektion, weggeholt. Alles ging unter der Knute blitzschnell. Nach dem Baden gab es Bekleidung. Sie bestand für die Frauen nur aus einem einzigen Kattunkleide. Barfuß wurden sie auf den Hof gejagt. Auf den Kleidern wurden schwarze und gelbe Kreuze aufgemalt. Einige, welche der Ohn­macht nahe waren, baten um Wasser. Es wurde ihnen verweigert. Um zehn Uhr abends wurden sie ins Lager gebracht und dort fing die eigentliche Hetzjagd an. Wie Vieh trieb man sie in Baracken und zwar so eng gedrängt, daß sie sich aus Platmangel nicht zum Schlafen niederlegen konnten, sondern kaum genügend Platz hatten, hinzuhocken. Endlich gab es" Zählappell". Die ganze Nacht lang wurden sie mit den Vorbereitungen zum Zählappell gequält. So ging es bis fünf Uhr früh. Genau so wurden die Männer behandelt.

So wurden alle in Auschwitz eingetroffenen Transporte empfangen als Vorbereitung für weitere Qualen. Oswiecim wurde zum Sammel­punkt aller Abtransportierten. Das Großteil der Ankömmlinge kam nach dem Aussortieren ins Krematorium, nur ein geringer Prozentsatz wurde zur Arbeit in andere Lager geschickt.

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