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Das eiserne Tor : Gedichte / Franz Heitgres
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WEIHNACHTS GLOCKEN

Horch die Weihnachtsglocken!-

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Aus der Ferne hör' ich ihren Klang,

Sollen wohl dem Menschen Frieden künden. Engelstimmen locken

Mich mit ihrem gläubigen Gesang.­

Drüben wird man jetzt die Kerzen zünden.- Heuchlerische Litanei,

Willst mich noch zum Narren halten?

Kam Frau Sorge nicht herbei,

Um mit ihrem Geist zu walten?

Was bringt uns der Lichter Pracht,

Wohin richtet ihr das Beten?

Ward das Bild der Stillen Nacht

Nicht schon längst vom Krieg zertreten?

Weihnachtsklänge schallen

Feierlich wie einst durch Stadt und Land,

Wollen nochmals Trost dem Menschen spenden

Ja, ein Wohlgefallen

Sich mit ihren Tönen stets verband,

Will doch auch das Hoffen niemals enden.-

Schweigt, ihr Glocken, hoch im Turm,

Sollt mich länger nicht betrügen;

Hört ihr, draußen tobt der Sturm,

Will mit Blut die Erde pflügen.

Längst erfüllt Sirenenton

Unsere friedlich stillen Nächte.

Kam zu uns einst Gottes Sohn,-

Heute kommen Satansknechte.

Und im Todesreigen

--

Wartet auf den Menschen nur das Grab;

Unterm Kreuz erst findet er den Frieden.-

Still, die Glocken schweigen!-

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Regen strömt vom Himmelszelt herab;

Weiße Weihnacht ward uns nicht beschieden!

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