VERNEINUNG
Menschen schmachten hinter Gitterstäben. Menschen flehen um ihr täglich Brot.
Andre bangen um ihr junges Leben
Dort auf hoher See im Rettungsboot.
Weit und breit spürt man der Erde Beben;
Aus der Nacht tritt unsichtbar der Tod.
Zwischen Feuerschein und eingestürzten Trümmern Hört man grelle Schreie und ein angstvoll Wimmern.
Die zerfetzten Menschenleiber färben
Blutigrot den wild zerwühlten Sand.
Braut und Mutter hören dann vom Sterben
Des Geliebten fern im fremden Land.—
Immer noch des Krieges Trommeln werben, Heller lodert nur der Weltenbrand.
Soll der Mensch den Freudenbecher ewig meiden?
Muß er selbst vom letzten Lächeln schmerzvoll scheiden?
Und du glaubst, es thront ein Gott dort oben, Dessen Wille unsre Wege lenkt?
Muß des Teufels Werk uns erst erproben,
Ehe er uns seinen Segen schenkt?
Kann man eine Schöpfung denn noch loben,
Die das Schlechte selber auch erdenkt?—
Nein, der das vollbringt und läßt das Leid geschehen, Er kann auch vor meiner Gnade nicht bestehen!


