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Das eiserne Tor : Gedichte / Franz Heitgres
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HUNGER

Kerkerzelle, grauenhafter Ort,

Deine Mauern sind so kalt und still; Nirgends höre ich ein menschlich Wort, Keiner kommt, der mit mir sprechen will.

Doch es brummt ein leises Murren, Will mich gar verhöhnen;;

Soll mich an das Magenknurren Endlich auch gewöhnen.

Und mit hungrigem Gefühl Blick ich in den leeren Schrank, Doch auch er verachtet kühl Meines Magens Bittgesang.

Nur ein Krumen kommt in Sicht, Gierig würg ich ihn hinab; Doch es stillt den Hunger nicht, Was man einem Bettler gab.

Wann ist denn nun endlich Essenszeit? Stunden, ihr seid endlos lang.

Immer stehe ich zum Sprung bereit, Höre Schritte ich im Gang.

Was ist über mich gekommen?

Es ist mir der Magen leer,

Alle Dinge sind verschwommen

Und ich schau die Wand nicht mehr.

Und ihr fernen Lieben,

Kann auch euch nicht sehn,

Alles dunkel es wird Naht, Hab nur Hunger,

Helft doch, ah

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