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Ellen kramte noch mit ihren Muscheln herum, glättete schimpfend meine Hosen, die ich achtlos auf einen Stuhl ge- worfen hatte, dann legte sie sich zu mir in das breite Bett.
„Morgen muß ich an meinen Chef schreiben“, sagte sie, „damit er nicht ungeduldig wird. Und dann mußt du dich für die tausend Franken bedanken. Ohne die hätten wir nicht fahren können.“
„Wie braun du bist, fast schwarz“, sagte ich.
„Ich habe den ganzen Tag in der Sonne gelegen. Ich bin so faul— nicht einmal Strümpfe habe ich gestopft. Du bist so fleißig.“
„Ach Unsinn. In Paris arbeitest du den ganzen Tag. „Wenn ich jedes Jahr vier Wochen hätte wie diese—. Aber
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der Tag war schön heute.“
„Es war ein schöner Tag.“
Dann meinte Ellen, daß sie müde sei. Aus einer alten Zei- tung baute ich eine Art Lampenschirm.
„Schlaf gut“, sagte ich ihr.
„Schlaf gut‘, antwortete sie,„und lies nicht so lange.“
Ich blätterte in den Briefen eines anderen Emigranten, den Briefen, die Clausewitz an seine Frau geschrieben, als er aus dem preußischen Heere ausgeschieden war. Es sind sehr zärt- liche, weiche Briefe, fast zu weich für einen Emigranten, fast zu zärtlich für einen General. Unterm 26. April 1812, also kurz vor seiner Abreise nach Rußland , schreibt er:„Zu fürch- ten haben wir jetzt eigentlich nichts mehr, alles zu hoffen. In diesem Zustand ist alles, was geschieht, jede neue Bewegung, jeder neue Stoß in der politischen Welt ein Prinzip neuer Hoff- nung. So gehe ich jetzt mehr als je der Zukunft mutigen Schritts entgegen.“
Dann löschte ich das Licht. Vom Strande herauf donnerte
die Flut. Noch stieg sie.


