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Abschied genom
- waren es nicht ebenso viele Jahre? men hatte, als ich sie vom Omnibus aus mit den Leidensgefährten in entgegengesetzter Richtung vorbeifliegen sah, alles dünkte mich unwirklich, märchenhaft. Jetzt waren wir in der Goethestraße, schon hielten wir vor dem Hause, in dem Stahl wohnte. Wir stiegen aus; an der Wohnungstür zu fast ebener Erde, nur durch ein paar Stufen erhöht, stand Frau Stahl und streckte mir beide Hände entgegen. Drinnen im Flur entledigte ich mich des Mantels, säuberte und wusch mich und wurde dann in das Zimmer geführt, das Stahls als einziges von ihrer früheren Wohnung behalten hatten. Aber es war ein schöner Raum mit heimeligen guten Möbeln und einem festlich gedeckten Tisch, an den ich genötigt wurde. Das Abendessen verging, mir war immer noch, als träumte ich und müßte jeden Augenblick in der scheußlichen Barackenstube mit ihrer schlechten Luft und der Ansammlung von vielzuvielen Menschen erwachen.
Aber das, was ich hier erlebte, war Wirklichkeit, das andere lag hinter mir! Nach dem Abendbrot kamen die übrigen Wohnungsgenossen, die ich zum Teil kannte, um mich zu begrüßen, und um von mir etwas über die Erlebnisse der letzten Tage zu hören; hatte doch jeder einzelne Verwandte oder nahe Freunde dabei!
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Zuerst meinte ich, ich könnte nicht davon sprechen, aber nach und nach brachten mich die vielfachen Fragen zum Reden, und nun konnte ich fast nicht aufhören, ihnen alles genau zu schildern. Es war halb ein Uhr, als ich schloß. ,, So, für heute ist's genug", sagte Stahl aufstehend ,,, Sie bekommen jetzt ein Schlafmittel, damit Sie Ruhe finden." Bald darauf lag ich in einem herrlich weichen Bett, frisch. überzogen, und schnell fiel ich in festen traumlosen Schlaf, aus dem ich aber punkt vier Uhr mit dem Wissen erwachte: Jetzt gehen sie zum Zug! In Gedanken versuchte ich ihnen zu folgen, ich hörte den leisen, gleichmäßigen Regen vor dem Fenster. Nach einer Weile schlief ich wieder ein und
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