räume eingerichtet werden. Die Partei rechnet mit der Un­terbringung von etwa dreihundertfünfzig jüdischen Men­schen in den zwei Stockwerken. ,, Wir brauchen dann je­manden, der die Wirtschaftsführung und die Betreuung der Frauen übernimmt", schloß Direktor Stahl seine kurze Schilderung ,,, und ich möchte, daß Sie das machen." Ich antwortete ihm, daß das eine Arbeit sei, die ich gern tun würde, die ich mir auch zutraute, daß ich mir aber nicht recht vorstellen könnte, wie das Einverständnis des Haupt­sturmführers Wegner oder des Obersturmführers Muggler zu diesem Plan zu erlangen sein würde. ,, Ich weiß auch nicht, wie wir das erreichen werden, aber ich hoffe es immer noch. Jedenfalls halten Sie sich bereit, und hören Sie mit der Fabrikarbeit auf, ehe Ihr Arm ernstlichen Scha­den nimmt." Das versprach ich, meinte aber, ich wolle doch noch ein Weilchen auszuhalten suchen, um meinen guten Willen zu beweisen.

München , Sonntag, den 27. Juli 1941

Seit drei Tagen arbeite ich nicht mehr im Lohhof. Am Donnerstag bekam ich während der Arbeit so entsetzliche Nervenschmerzen im Arm, daß ich aufhören mußte. ,, Le Chapeau vert" war gerade bei uns. An diesem Tage, wie auch sonst gelegentlich, waren wir mit unserer Maschine in einer der offenen Scheunen, um sie vor allem von den Flachsbergen des vergangenen Jahres frei zu machen für die schon vor den Toren wartende neue Ernte. Ich meldete mich bei dem Aufseher, der gutmütig sagte: ,, Hören S' halt auf und gehen S' zum Arzt. Man g'sieht Eahna scho an, daß S' net gut beianand sein." Noch am gleichen Nachmit­tag meldete ich mich bei unserem jüdischen Vertrauensarzt, der mich krank schrieb. Ich nehme an, daß ich in den

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