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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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Ich sprach mit Erich und Joseph Hubmann. Wir müssen weg, etwas be­sorgen", sagten sie; ,, du weißt, was du zu tun hast, Max. Bleibe wachsam. Wenn es notwendig ist, handle. Die Bluthunde dürfen nicht mehr losgelassen werden. Du kennst Deine Leute. Wenn ihr das Geringste merkt, greift zum äußersten und verteidigt Euch, greift sie an, macht sie nieder."

Es wurden nicht viel Worte gemacht. Ich fragte sie auch nicht nach dem Wohin und Was. Ich drückte jedem lange und fest die Hand. Du", sagte Erich zögernd ,,, und wenn uns etwas passieren sollte und du lebst, gib meinen Angehörigen Nachricht."

Etwas beklommen war mir beim Abschied. Ich sah den beiden lange nach. Erich, den guten, tapferen Kameraden, sollte ich nie wiedersehen.

Er ließ sein Leben im Einsatz zur Rettung der dreiunddreißigtausend. Viele Tausende haben jedenfalls ihm und seinen paar tapferen Kameraden das Leben zu verdanken. Denn sie brachten die Amerikaner sicher Stunden oder gar Tage früher herbei als sie sonst gekommen wären. Und jede Stunde in den letzten Tagen von Dachau kostete Dutzenden von Menschen das Leben. Sie starben und starben dahin, verwelkten, gingen ein, waren nicht mehr zu retten. Auch nach dem Eintreffen der Amerikaner starben noch viele, denen nicht mehr geholfen werden konnte.

Wie ich mir nachher berichten ließ, gelang der Plan der aktiven Kameraden. Eine Gruppe der Illegalen" manövrierte mit großem Geschick und durchbrach die Sperren. Einer nur drang an die richtige Stelle vor, Karl Riemaier. Er schlug sich zum amerikanischen General nach Pfaffenhofen durch, erstattete ihm Bericht, schilderte die Verhältnisse und flehte ihn um sofortige Hilfe an. Der General erhielt durch ihn auch wertvolle Hinweise über die militärischen Voraussetzungen und Möglichkeiten und entschloß sich, schnell und energisch zu handeln. Ohne Rücksicht auf die Sicherung seiner Streitkräfte schickte er einen kleinen Stoẞtrupp vor, dem es tatsächlich gelang, das Lager im schnellen Zupacken zu nehmen. Mit ihm marschierten unsere abgesandten Kameraden. Beim Sturm auf Dachau fielen von den unseren: Fritz Dürr, Max Grünfelder, Erich Hubmann.

Die letzte Stunde der Hölle Dachau war gekommen. Wir spürten in allen Nerven, daß der Vorhang über dem Drama anhub, sich zu senken. Wir fie­berten vor Erwartung. In das verlöschende Leben kam neuer Antrieb. Es war,

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