Bestien, unter denen die Häftlinge viel zu leiden hatten. Er verkaufte die Häftlinge an die SS, schaltete und waltete selber ganz despotisch, prügelte und miẞhandelte vor allem die ihm mißliebigen Gefangenen, beteiligte sich als Werkzeug der SS an allen Schandtaten. Einen solchen Menschen konnte Strauß natürlich brauchen. Beide bereicherten sich nach Kräften an dem wenigen, was die Häftlinge bekamen und sahen zu, wie die Opfer ihrer Habgier massenweise verhungerten. Zier wurde deshalb später von den Amerikanern in Dachau erschossen.
Die beiden Schmarotzer setzten mir natürlich übel zu, und ich hatte Müh und Not, mich ihrer zu erwehren, damit die vorschriftsmäßigen Mengen an Lebensmitteln wenigstens nicht allzusehr geschmälert wurden. Im Lager waren fast nur Ausländer untergebracht. Mit denen hatte man ja noch leichteres Spiel als mit den Deutschen .
Sonst konnte ich mit meinem Posten zufrieden sein. Den Häftlingen ging es natürlich auch hier schlecht genug, aber doch wohl nicht ganz so schlecht wie in anderen Lagern. Denn die Verhältnisse waren noch einigermaßen normal, noch nicht so desorganisiert wie in Dachau . Und bei der geringen Zahl von Lagerinsassen konnte ich für das bißchen Fraß noch jeden Tag sorgen, wenn auch im unzureichenden Maße. Die Unterernährung währte bereits zu lange. Das Essen wurde nicht mehr, sondern immer weniger, die Portionen kleiner. Es gingen auch hier viele an Erschöpfung und Entkräftung zugrunde. Das Revier, zwar überfüllt, war in Bäumenheim glücklicherweise doch nicht gerade als ein Institut für nachhelfende Beförderung ins Jenseits zu betrachten, wenn naturgemäß auch nicht viel für die Kranken getan werden konnte. Der Verwalter des Reviers war ein Graf Oktav von Andlau, Großgrundbesitzer. Weiß Gott , wie er und so viele andere aus reichen und angesehenen Familien, Industrielle, Wirtschaftsführer, hohe Würdenträger der Kirche, Gelehrte, Künstler, Beamte in die Lager kamen und dort zum Teil elend zugrunde gingen. Die Herrlichkeit in Bäumenheim dauerte nicht lange. Wir hatten täglich Fliegeralarm. Donauwörth wurde bombardiert. Bei Tag suchten die Häftlinge Splittergräben auf, wenn Alarm war. Nachts mußten wir in unserer Unterkunft bleiben. Ich ging nie mit in die Splittergräben. Die Flieger kamen immer gegen Mittag, wenn ich in der Küche am meisten zu tun und die Kessel unter Druck hatte, um das Mittagessen fertigzubringen.
Kunter- Wittmann, Weltreise 15
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