Am 10. Januar 1944 kam ich nach Kottern und übernahm dort die Küche als Küchenkapo.
Kottern liegt herrlich in den Bergen. Leider hat man nichts davon, wenn man hinter elektrisch geladenem Draht hausen muß. Das Lager war erst im Entstehen, überall wurde gebaut und gezimmert. Die Häftlinge schliefen in der ersten Zeit in dem Fabrikgebäude der Spinnerei. Unten in dem Gebäude waren große Fabriksäle, in denen Teile für den Messerschmitt- Flugzeugbau hergestellt wurden. Nachts hatten wir oft Fliegeralarm. Dann beschlich uns ein banges, unbehagliches Gefühl. Daß auch dieser Bau zusammengeworfen wurde, stand bei uns fest. Denn überall, wo Messerschmitt sich zeigte, zeigten sich auch die Bomber. Deren Angriffe wurden immer stärker und gefährlicher. Es begann gerade die Zeit, wo die Alliierten die Luftherrschaft über Deutschland mehr und mehr gewannen, und eine wirksame Abwehr bereits nicht mehr vorhanden war.
Das Lager befand sich ungefähr einen Kilometer von der Fabrik entfernt, im freien Feld. Es wurde in aller Eile notdürftig eingerichtet. Ungepflastert war das Innere des Lagers, alles dreckig und schmierig. Wenn es regnete, sank man bis an die Knöchel in den Schlamm ein. Kahl und unfreundlich lagen die unfertigen Baracken in Schmutz und Wirrwarr.
Ich wurde zunächst in den Schlafsaal der Häftlinge eingewiesen, und ich schlief dort auch die erste Nacht. Wir lagen wie die Heringe in der Tonne nebeneinander. Es war kein Platz da, eine provisorische Unterkunft. In ein paar Tagen sollten wir die Baracken beziehen können. Die Kameraden sagten mir jedoch, man behaupte schon seit sechs Wochen, daß man in ein paar Tagen in die Baracken übersiedeln werde. So waren also hier Hunderte von Menschen in einem Saal zusammengepfercht. Die schlechte Luft und der Gestank ließen einen nachts nicht schlafen, verursachten Kopfschmerzen und Atembeschwerden. Alle Nationen waren in dem Saal versammelt: Deutsche , Russen, Polen , Serben, Griechen, Italiener, Franzosen, lauter arme, ausgehungerte Menschen, die für den Sieg des Dritten Reiches arbeiten, hungern und verrecken sollten.
Am Abend des zweiten Tages wurde ich zum Lagerführer gerufen.„ O weh", meinte ein Kamerad, hoffentlich wird's kein zu warmer Empfang." Wie ist denn der Lagerführer?" erkundigte ich mich.
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