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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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Kottern

Im allgemeinen ging es mir also gut in Allach. Sonst war es hier wie in jedem anderen Lager: barbarische Sklaverei.

Eines Tages kam der SS- Sturmscharführer Füllebeck von der Lebensmittel­verwaltung Dachau zu uns. Er hatte mit unserem Kapo Wolf eine Aussprache, die für mich sehr wichtig werden sollte. Wie Wolf mir nachher berichtete, fragte Füllebeck ihn:" Wenn Sie mal krank werden, Wolf, haben Sie dann einen tüchtigen Vertreter?"

,, Ja, ich habe einen zuverlässigen Kolonnenführer, einen ungewöhnlich brauchbaren Mann."

,, Schicken Sie mir den mal her!"

Ich erschien vor ihm, sauber, mit weißer Schürze, gut aussehend. Er fragte mich einiges über Küchenbetrieb, über meine Erfahrungen beim Kochen und in der Lebensmitteleinteilung. Sein Verhalten mir gegenüber war ziemlich wohlwollend.

Am nächsten Tag bekam ich durch den Arbeitsdienstführer vom Arbeits­einsatz Dachau den Befehl, mich sofort fertigzumachen. Ich sei zum Küchenkapo ernannt worden, und zwar für das Lager Kottern bei Kempten im Allgäu.

,, Siediges Donnerwetter!" fluchte Wolf. ,, Ich Esel habe dich weggelobt. Das hat der alte Fuchs, der Füllebeck, schlau eingefädelt. Hätte er mich direkt gefragt, ob er einen tüchtigen Mann für Kottern von mir bekommen könne, hätte ich ihm natürlich einen anderen vorgeschlagen. Jetzt kann ich schauen, wo ich einen Koch herbringe, der mir mein Sach ordentlich schafft."

Aber er beruhigte sich dann. Nun ja, ich gönne es dir ja auch. Hast es verdient, daß du Kapo geworden bist und dir das Leben ein bißchen an­genehmer machen kannst."

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