,, Ich habe es schon gerichtet, Herr Hauptscharführer. Bitte hier herein. Eine kleine Magenstärkung. Und das Paketchen können Sie vielleicht in die Aktentasche nehmen."
Wenn Jarolin und Eberle dagewesen waren, hatte die Wurst über Nacht furchtbar getropft, denn diese beiden Gauner fraßen eine Pfanne aus, an der ein Dutzend Häftlinge sich bestimmt hätten erlaben können.
Und so hatten wir noch ein paar Mitesser und Schmarotzer, denen man manchmal wünschte, sie möchten an dem Bissen ersticken, den sie den anderen wegnahmen. Vor allem war es der alte Säufer Häusler, der in schamloser Weise Eẞwaren davontrug. Offenbar vergaß er häufig seine Schnapsflasche bei unserem Küchenkapo im Zimmer, denn er wie Wolf waren stets in eine Wolke von Schnapsdunst gehüllt. Häusler traf ich später in Kottern wieder. Er hatte es aber wohl mit dem Schieben und Stehlen zu arg getrieben, denn er wurde schließlich strafversetzt und tauchte später in Dachau wieder auf. Da fehlten die Sterne auf seinen Achselklappen.
Ein paar Lichtgestalten möchte ich diesen Dunkelmännern in Allach gegenüberstellen. Das Andenken des dicken Thon und des Polen Morawski in Ehren! Die beiden haben viel Gutes für die Häftlinge getan und man muß bedenken, daß dies immer und in jedem Fall mit großen Gefahren verknüpft war. Thon und Morawski hatten das Lebensmittelmagazin unter sich, und sie schoben uns manches aus der SS - Küche für unsere Häftlingsküche zu. Auch der Blockälteste Karl Tepke, der Kantinenverwalter Sepp Huber, der Karl Hauff von der Bekleidungskammer waren gute Kerle, die den Häftlingen nach Kräften beistanden. Den Karl Hauff traf ich nach dem Zusammenbruch in der Rückführungsstelle der politischen Häftlinge in Stuttgart wieder, und wir tauschten ein Stündlein Erinnerungen aus.
In Allach befanden sich meist Russen und Polen . Ich gab ihnen Winke, daß sie ihre Schwachen und Kranken abwechselnd in die Küche zum Arbeiten dirigieren sollten. Ich steckte ihnen viele gute Bissen zu und sah auch nicht hin, wenn sie etwas verschwinden ließen.
Die meisten Russen und Polen konnten etwas Deutsch . Ich war immer in meinem Leben darauf aus, Sprachen zu lernen, was mir sehr leichtfällt. Ich kann sechs Sprachen geläufig sprechen, in anderen mich verständigen, sogar etwas Zigeunerisch verstehe ich. Eine Zeitlang hatte ich einen Russen als
Kunter- Wittmann, Weltreise 14
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