arbeit oblag: Listen führen, Personalverzeichnisse anlegen, mit der Kantine abrechnen.
Jedem Block war überdies ein Blockführer der SS zugeteilt, die tagsüber ein paarmal erschienen, um uns die Hölle heiß zu machen.
Ich erhielt meine Falle in der Baracke zugewiesen und damit war ich einer von den vielen geworden, die verurteilt waren, hier für ungewisse Zeit oder bis an ihr allzufrühes Ende in Not und Bedrängnis zu leben.
In den letzten Tagen war ich nicht mehr zu mir selbst gekommen. Auch jetzt noch kam mir nicht voll zu Bewußtsein, was geschehen war, und wie es hatte geschehen können, daß ich mich hier unter den Gezeichneten, Gemarterten und Vogelfreien befand. Ich mochte auch nicht denken; ich wehrte mich dagegen, ein Gefühl oder einen Gedanken aufkommen zu lassen, denn ich fühlte, daß ich dann vielleicht den Verstand verlieren oder sonst in eine Zerrüttung des Geistes oder der Nerven fallen würde. Mein Instinkt sagte mir, daß ich jetzt alle Kräfte zusammennehmen müsse, um zu bestehen. Alles Vergangene mußte ich hinter mir lassen. Ich hatte Mißgeschick gehabt, war in ein Unglück, in eine gefährliche Situation hineingeraten und mußte versuchen, mich zu retten.
Am Abend erhielten wir eine Wassersuppe und Brot. Der Blockälteste versammelte uns um sich und instruierte uns, was wir zu tun und zu lassen hatten, gab uns Ratschläge und Verhaltungsmaßregeln. Ein paar Häftlinge, die schon länger da waren, erzählten uns einiges aus dem Lager, und das war nicht geeignet, uns Mut und Zuversicht einzuflößen.
Wir waren dann froh, als wir schlafen gehen durften. Todmüde und im unruhigen Schlaf verbrachte ich die erste Nacht. Erst gegen Morgen schlief ich fest. Da fuhr ich plötzlich jäh empor. Ein Schrei hatte mich geweckt. Messerscharf tönte es durch den Raum:„ Aufstehen!" Gleichzeitig flammte grell das elektrische Licht auf. Mit einem Satz waren wir heraus, denn es war uns bedrohlich eingeschärft worden, wie streng es mit dem Aufstehen genommen würde. Anziehen, waschen, bettenmachen, putzen und säubern alles in fliegender Hast. Nach einer halben Stunde hieß es:„ Raus! Antreten!" Wir nahmen schleunigst auf dem kleinen Platz vor dem Block Aufstellung in Reih und Glied. Verängstigt und aufgeregt standen wir stramm und unbewegt, wagten kaum zu atmen. Der SS - Blockführer, ein junger, etwa vierundzwanzigjähriger
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