Das Lager war in sogenannte Blocks eingeteilt, Baracken, in denen jeweils zweihundertfünfzig, fünfhundert oder auch mehr Häftlinge untergebracht waren. Die Aufsicht über die Insassen eines Blocks hatte der Blockälteste, ein Häftling, der sich durch jahrelange Gefangenschaft oder aber durch ein Verhalten, das ihn in den Augen der SS als besonders geeignet erscheinen ließ, den Posten erworben hat. Vor den anderen Häftlingen war der Blockälteste an der schwarzen Armbinde erkenntlich, auf dem das Wort„ Blockältester" und die Nummer seines Blocks stand.
Der Blockälteste war verantwortlich für alles, was in seiner Baracke vorging, für alle seine Untergebenen. Es kam vor, daß ein Blockältester schwer büßen mußte, wenn irgendetwas das Mißfallen der SS in seinem Block erregte, wenn sich ein unliebsamer Zwischenfall ereignete oder sonst etwas nicht stimmte. Da konnte es dann sein, daß er mehr Prügel erhielt als ein gewöhnlicher Häftling. Auf diese Weise wurden die Blockältesten und die„ Capos", die im Dienst die unmittelbaren Vorgesetzten der Häftlinge waren, von der SS zu Bluthunden erzogen, die oft so schlimm waren wie die schlimmsten SS - Peiniger selber. Es gab aber auch viele Anständige unter ihnen, die sich gerecht und einwandfrei den Häftlingen gegenüber verhielten und mit Energie und Umsicht für sie sorgten.
Die bevorzugte Stellung der Blockältesten brachte natürlich Vergünstigungen für sie mit sich. Der Blockälteste hatte in der Baracke eine besondere Ecke für sich mit Tisch und Schrank; er hatte ein besseres Bett, er war der erste am Futtertrog. Er machte sich das Bett nicht selbst, sondern ließ es sich machen. Und wenn er mal nicht guter Laune war, konnte es sein, daß er Krach machend durch die ganze Baracke wütete und die Leute prügelte.
Kunter- Wittmann, Weltreise 11
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