besteht daher die Gefahr, daß er sich gegen die Belange des Deutschen Reiches vergehen könnte. Er ist daher bis auf weiteres in Schutzhaft zu nehmen." Ich protestierte gegen die Behauptungen und Beschuldigungen, die in dem Schriftstück gegen mich erhoben wurden und verweigerte meine Unterschrift mit dem Hinweis, daß ich ja dadurch die mir vorgeworfenen strafbaren Handlungen anerkennen würde. Ich unterschrieb nicht, obwohl die Kerle mir heftig und handgreiflich zusetzten.
Ich wurde ins Bezirksgericht überstellt, von wo aus Transporte ins Konzentrationslager abgefertigt wurden. Im Bezirksgericht fand ich eine große Anzahl Leidensgenossen vor, hauptsächlich Österreicher, die gegen eine Verbindung zwischen Deutschland und Österreich gewesen waren. Auch Spanienkämpfer, die gegen das Regime Franco gekämpft hatten. Im Bezirksgericht waren unsere Wärter und die Gefängnisbeamten Österreicher vom alten Schlag. Von ihnen ging ein wärmender Hauch von Menschlichkeit aus, der letzte, den wir für lange, lange Zeit verspüren sollten. Der alte Wachmann Strobel nahm es des Morgens, wenn die Glocke zum Aufstehen geläutet hatte und er uns noch im Bett vorfand, nicht so genau. Auch sein Kamerad Lauterberger ließ uns manche Freiheit. Ich muß lobend erwähnen, daß es viele alte und ehrliche Beamte gab, die den Häftlingen unverhohlen ihre Sympathie bezeigten, ihnen nach Möglichkeit Zuwendungen an Lebensmitteln machten und Erleichterungen jeder Art verschafften. So hatte mir auch der Hausmeister Hödel im Gestapokeller in Graz manches Gute getan. Nur ein einziges gutes Wort in einer solchen Lebenslage: es vollbringt Wunder an einem Unglücklichen, es wärmt und gibt Licht, schenkt dem Verzweifelnden neues Leben, es ist ein wundersames Erlebnis, wie man es in Glück und Freiheit kaum haben kann.
Nach acht Wochen wurde ein Transport zusammengestellt. Wohin? Wer weiß! Eine Fahrt ins Blaue, eine Fahrt ins Dunkle! Wir kamen nach Salzburg , blieben dort über Nacht. In der Zelle begegnete ich zwei Spaniern, die aus dem Konzentrationslager Mauthausen kamen. Sie waren verschwiegen, erzählten mir nichts von ihren Erfahrungen und Erlebnissen, wahrscheinlich aus Furcht, wieder dorthin zurückgebracht zu werden, wenn das geringste aufkam.
Nächste Station: München . Dort wurde die Masse der Häftlinge aufgeteilt. Mich traf das Los, einem Haufen zugeschoben zu werden, der für das Lager Flossenbürg bestimmt war.
156


