Druckschrift 
Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
Seite
154
Einzelbild herunterladen

Erste Station in der Hölle

Am nächsten Vormittag traten zwei deutsche Zivilisten in den Raum, wo ich untergebracht worden war, zogen Handschellen hervor und fesselten mich an beiden Armgelenken. Sie nahmen mich in ihre Mitte und verfrachteten mich auf dem Bahnhof in ein Sonderabteil. Wir fuhren nach Graz / Steiermark , wo ich von den beiden Beamten ins Polizeigefängnis am Paulustor eingeliefert wurde. Ich kam in eine schmale Zelle von anderthalb Meter Breite und drei Meter Länge. Das sollte für ungefähr zehn Monate mein Heim darstellen. Zu essen gab es wenig, meist eine dünne Wassersuppe mit einem Stückchen Brot dabei.

Täglich wurde ich zum Verhör geholt, sehr oft auch nachts. Gewöhnlich saß ich einem jungen Beamten der Gestapo gegenüber. Er rauchte eine Zigarette nach der anderen und blies den blauen Duft an meiner Nase vorbei. Endlos kreisten seine Gespräche und Fragen um die stets gleichen Themen: was ich in Jugoslawien getan, warum ich mich als Emigrant, als politisch Verfolgter und Feind Adolf Hitlers ausgegeben habe. Entweder hatten die Gestapo­Agenten in Kroatien tatsächlich meine Äußerungen über das nationalsoziali­stische Deutschland erfahren, oder aber er klopfte mit seinen Anschuldigungen auf den Busch und holte mich aus. In den ewigen Kreuzverhören wurde man mürbe gemacht, die geistigen und moralischen Energien reichten dann nicht aus, und man war mehr oder weniger den diabolischen Machenschaften der Gestapoleute ausgeliefert. Manchmal nahmen sie mich auch zu zweit oder dritt in die Zange, grausam, mitleidlos. Sie hielten mich die ganze Nacht durch wach, setzten mich so, daß mir grelles Licht vielkerziger Birnen ins Gesicht fiel. Ich sank bisweilen zusammen, müde, erschöpft, zerschlagen, kippte vom Stuhl herunter. Die Unmenschen ließen mich nicht fünf Minuten ausruhen. So

154