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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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wenn ich mal Hilfe brauchen würde, sollte ich mich an seine Eltern wenden. Das tat ich jetzt. Sein Vater war Professor im Ruhestand und lebte in einer kleinen Villa in der Nähe von Agram. Das alte Ehepaar nahm mich freundlich und hilfsbereit auf, und mir tat die herzliche Gastfreundschaft nach der langen Zeit der Strapazen gut. Die braven Leute betreuten mich, halfen und rieten mir auf jede Art. Einmal meinte Herr Sirocio, ob es nicht besser sei, wenn ich mir einen gültigen Paẞ besorgen würde. Zur Zeit sei ich so gut wie staatenlos, und ich könnte unerwartet da und dort Schwierigkeiten bekommen. Ich fand den Vorschlag nicht so schlecht und begab mich in diesen Tagen zum deutschen Konsulat. Der Konsul fragte mich dies und das, er war höflich und angenehm, es sah aus, als sollte ich Glück haben.

,, Es kann vierzehn Tage dauern", meinte er. Kommen Sie wieder vorbei; es wird dann schon klappen."

Nach zwei Wochen stellte ich mich wieder ein. Diesmal wurde ich von einem anderen Konsulatsbeamten empfangen. Er musterte mich prüfend.

,, Ja", sagte er mit einer etwas schleppenden Stimme, die mich unangenehm berührte ,,, Ihr Paß ist fertig. Aber sagen Sie, was tun Sie denn hier? Wollen Sie nicht nach Deutschland zurückkehren? Es muß doch jedem echten Deut­ schen daran liegen, jetzt, im Schicksalskampf seines Volkes, in der Heimat zu weilen."

,, Nun ja", erwiderte ich, gelegentlich werde ich nach Deutschland zurück­kehren. Es leben schließlich noch mehr Deutsche in Jugoslawien , die auch nicht ohne weiteres nach Deutschland umsiedeln. Ganz abgesehen wohl von den internationalen Bestimmungen, die das zur Zeit gar nicht zulassen würden."

Er lächelte unangenehm. Das wird sich bald ändern. Und überdies: wenn man will, findet sich für einen jungen Mann immer ein Weg in die Heimat. Nun, sei dem wie es wolle: Sie können Ihren Paß morgen haben. Es ist noch eine Unterschrift erforderlich, die ich im Augenblick nicht beibringen kann."

Wie ich ihm den Rücken wandte und die Treppe hinunterging, überfiel mich plötzlich ein eigenartiges Gefühl von Niedergeschlagenheit, ja von Bangigkeit. Es wurde mir eng und beklommen über der Brust. Ich konnte mir nicht er­klären, wieso ich so unvermittelt in eine tiefe Depression versetzt wurde. Es kam mir auf einmal in den Sinn, daß Kroatien ein Land war, dessen Regierung in manchen Stellen stark mit Deutschland sympathisierte, ja, ich hatte schon

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