war es mir aber auch nicht ganz geheuer. Ich befand mich in völliger innerer Verwirrung, wie ja mein ganzes Leben zur Zeit in die Irre ging, ich bewegte mich seit Monaten in einem Labyrinth, in dem ich mich immer mehr zu verstricken schien. Wohin sollte das führen? Soviel ich auch überlegte, ich konnte mir nur einen Ausweg denken: erneut versuchen, an die Küste zu gelangen und von dort mit einem Schiff aus Europa loszukommen. In Betracht kam jedoch nur die jugoslawische Küste. Ich mußte also im Kreis zurück nach Kroatien , Dalmatien . So begab ich mich zunächst an die österreichisch- ungarische Grenze. In der Nähe von Neusiedel am See brachten mich einige Ungarn ins Österreichische hinüber. Wenig später war ich in Wien . Dort hatte ich keine ruhige Stunde mehr. Wenn sich jezt die Gestapo um mich kümmerte, war es um mich geschehen. Auch spürte ich bereits wieder in allen Nerven die ungute Atmosphäre in Nazideutschland. Es brodelte in diesem Hexenkessel wie von Schwefel und Unrat. Die Menschen kamen mir wie verzaubert vor, verdreht in ihrem Denken und Fühlen, irr und krank, von allen guten Geistern verlassen. Die bösen Geister aber machten sich im ganzen öffentlichen Leben, an allen Ecken und Enden, in jeder Lebensäußerung bemerkbar. Die Luft war vergiftet, es roch penetrant nach Teufelschwefel. Die Knechtung und Verseuchung des deutschen Volkes mit der Giftspritze des Nazismus war weit fortgeschritten. Der Wahnsinn tobte sich in voller Stärke aus. Dazu der Taumel über die Erfolge im Frankreich - Feldzug!
Es mochte kommen wie es wollte: hier konnte ich es keine zwei Tage aushalten. Ohne große Vorbereitungen und ohne langes Besinnen wandte ich mich von neuem der österreichisch - jugoslawischen Grenze zu. Durch einen günstigen Zufall gelang es mir, leicht und ungefährdet hinüberzukommen. Ein paar Stunden Bahnfahrt und ich befand mich wieder in Agram. Mein Ziel mußte wieder Ragusa sein, dort würde mir sicher der Schiffseigner Banat weiterhelfen, übers Meer in die Freiheit.
Aber ich beschloß, zunächst eine Weile in Agram zu bleiben, ich mußte erst neue Kräfte sammeln. Im Augenblick getraute ich mich nicht recht, an den Schauplatz meines großen Mißgeschickes zurückzukehren.
Ich erinnerte mich, im Agramer Gefängnis mit einem Studenten der Medizin, Ivan Sirocio, zusammengewesen zu sein, der dort einige Zeit wegen kommunistischer Umtriebe in Haft gewesen war. Sirocio hatte mir gesagt,
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