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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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bewegen, mir gegen gute Bezahlung Essen aus dem Gasthaus zu besorgen. Nach einigen Monaten durfte ich sogar bisweilen mit einem Polizisten in der Stadt spazierengehen, natürlich immer auf Kosten meines Geldbeutels.

So ging das tagein, tagaus, von einer Woche zur anderen; als Abwechslung nur die Verhöre. Nach Verlauf von acht Monaten hatte man sich wohl endlich davon überzeugt, daß ich kein deutscher Spion sei und daß man meinen Be­teuerungen, ich sei Deserteur und wegen meiner Einstellung gegen das Hitler­regime emigriert, Glauben schenken könne. Man eröffnete mir, ich sei von der Anklage der Spionage zugunsten Deutschlands mangels Beweisen frei­gesprochen, doch werde ich als lästiger Ausländer über die griechische Grenze abgeschoben.

Mit einem Transport von Leidensgenossen, die ein ähnliches Schicksal erlitten wie ich, wurde ich unter Bewachung von zwölf Gendarmen nach Belgrad überführt. Dort wurde ich in dem berüchtigten Schraubgefängnis untergebracht. Das war eine wahre Schreckenskammer. Zuerst wurden uns die Haare geschnitten, sträflingsmäßig. Dann steckte man mich in eine bereits überfüllte Zelle, die ursprünglich für etwa zehn Personen gedacht war, und in der sich jetzt vierzig befanden. Hier gab es nur den kahlen Raum ohne irgendwelche Gegenstände, kein Tisch, kein Stuhl, keine Pritsche zum Schlafen. Die vierzig Leute hatten kaum Platz, sich auf dem Boden auszustrecken; sie konnten nicht auf dem Rücken liegen, sondern mußten sich, den Platz geschickt ausnützend, hintereinander auf die Seite legen, um im Liegen schlafen zu können. Die Nahrung für die Gefangenen bestand hier tatsächlich aus weiter nichts als Wasser und Brot, nie ein anderes oder ein warmes Essen.

Der düstere Raum wurde außer von zu vielen Menschen noch von einem Heer von Wanzen und Läusen bevölkert, die einen aufs Blut peinigten. Auch hier war natürlich wieder eine Auslese der menschlichen Gesellschaft ver­sammelt, furchterregende Gestalten, aus allen Ecken des Balkans herbeigeholt. Menschen mit üblen Gewohnheiten, dreckstarrend, mißgestaltet, zanksüchtig, wüst. Der Abschaum. Ein bestialischer Gestank erfüllte den Raum. Neben dem Eingang in der Ecke eine Art Verließ, wo der Kübel stand, der nie aus­reichte. Es war ein gräßliches Loch, auch ein Dokument menschlicher Zivili­sation. Überall in der Welt gibt es Zustände und Einrichtungen, die zum Himmel schreien und einen Schandfleck für die sogenannte gesittete Welt

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