Jungfer" und wie du geschickt an sie herankommen und sie nehmen kannst. Das weitere ist dann deine Sache. Ich habe damit nichts zu tun, verstanden?" Ich hatte verstanden und merkte mir die Stellen gut, wo ich am besten heimlich an Bord gehen konnte.
Ich war voller Erwartung und Erregung. Wurde nach langem Hangen und Bangen der Weg mir wieder freigegeben, der Weg zu Tete und dem Paradies? Ich lag lange wach und träumte von der Südsee, die Sehnsucht nach Tete erfaßte mich von neuem übermächtig.
Gegen Morgen erst schlief ich ein, wurde plötzlich durch heftiges Pochen geweckt, taumelte schlaftrunken auf, öffnete. Zwei Polizisten standen vor mir. Sie waren gekommen, mich zu verhaften.
Im Polizeirevier erklärte man mir, daß ich im Zuge einer Razzia gegen verdächtige Ausländer festgenommen worden sei. Es könne schon ein paar Wochen dauern, bis die Nachforschungen und Untersuchungen abgeschlossen seien. So lange müsse ich mich mit einem unfreiwilligen Aufenthalt hinter Gittern zufrieden geben.
Ich wurde auf dem Seeweg nach Spalato gebracht und von hier mit der Bahn nach Agram. Im Polizeigefängnis in der Petrinska- Ulitza begannen die Verhöre. Hier wurde mir bereits Spionage zugunsten Deutschlands vorgeworfen. Es sah schlimm für mich und meine Freiheit aus.
Der Aufenthalt im Agramer Polizeigefängnis erinnerte mich an die Schreckenstage im Gefängnis zu Santos. Die Unterkunft war verdreckt und voller Ungeziefer. Es wimmelte von Wanzen und Läusen. Schlafen mußte ich auf einer Holzpritsche ohne Decke. Am Tag gab es nur einmal zu essen, meistens rote Bohnen mit einem Stück Brot dazu. Wie eine wilde Horde stürzten sich meine Mitgefangenen auf das Essen und oftmals gab es wüste Schlägereien um den Fraẞ. Mir grauste vor den Leuten, die sich in zerlumptem und ekelerregendem Zustand befanden. Nicht auszudenken, wenn ich Wochen oder gar Monate unter ihnen hausen mußte.
Da hatte ich wieder mal Glück. Ich konnte bereits so viel Serbisch, daß ich mich mit dem Wärter zu verständigen vermochte. Er war sehr zugänglich, namentlich meinem Geldbeutel. Geld bewirkte mehr als gute Worte, daß er mir eine bessere, reinlichere Zelle verschaffte. Ja, hin und wieder ließ er sich
147


