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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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die Unterschrift des Bischofs dazu. So konnte ich am andern Morgen, mit dem Segen des Seelenhirten versehen, weiterpilgern. Das Schreiben half mir in Dalmatien mancherorts weiter. Zunächst fuhr ich nach Spalato. Anfänglich simulierte ich auf meinen Fahrten im Zug zuweilen den Taubstummen, um dadurch etwaigen neugierigen Fragestellern auszuweichen. Ein paarmal näch­tigte ich beim Nachtwächter eines Segeljacht- Klubs im Bootsschuppen. Dadurch ging ich den Anmeldereien in den Hotels aus dem Weg.

Teils fuhr ich, teils tippelte ich durch Dalmatien . Eines Abends langte ich in einem Kloster an, wo ich gut aufgenommen und bewirtet wurde. Es gab ein Krautgericht, das mit Öl auf dalmatinische Art zubereitet war und dazu einen echten, alten dalmatinischen Wein, der das Blut wie Feuer durch die Adern rinnen ließ. Später in Ragusa fand ich bei einer Emigrantenfamilie freundliche Aufnahme. Ich erhielt kostenlos Essen und Wohnung.

Ragusa, eine althistorische Festungsstadt, liegt in einer imposanten Gebirgs­szenerie am Meer, blau dehnt sich die weite Fläche des Meeres, die schöne kleine Halbinsel Lapat streckt sich ins Blaue, ein bunter Kranz von Villen in südlichen Gärten hebt sich von dem blauen Hintergrund ab.

Bei einem Spaziergang durch den Hafen sah ich eine kleine Jacht. Es gab sich, daß ich mich dem Besitzer, einem Juden, nähern konnte, der mir Inter­esse und Wohlwollen bezeigte, als ich mich als Emigrant und Antifaschist zu erkennen gab. Er brachte mich mit einem Angehörigen der reichen Familie Banat zusammen, die über eine große Schiffahrtslinie verfügte. Auf dieser Linie fuhr ab und zu noch ein Schiff nach Südamerika . Es war unmöglich, ohne besondere Erlaubnis und ohne Visum einen Platz auf einem solchen Dampfer zu bekommen.

,, Ja, es ist schwierig", sagte Banat, aber wir beide gehören nicht zu denen, die sich von Schwierigkeiten bluffen lassen. Geduld, wir werden schon einen Weg finden."

Und nach ein paar Tagen eröffnete mir der Gute:" Morgen fährt eins unserer Schiffe hinüber. Willst du mit?"

,, Ob ich will?! Es wird doch nicht möglich sein."

,, Hast du das jemals gesagt, wenn du dich als blinder Passagier auf einem Schiff einquartiert hast? Na also. Komm mit. Ich zeige dir jetzt unsere

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