In die Falle gegangen
Damit war ich noch nicht außer Gefahr. Wenn mich jetzt ein Grenzer faßte, wurde ich entweder verhaftet oder aber wieder nach Deutschland abgeschoben. Behutsam begann ich den Abstieg, rutschte durch das Dickicht des Waldes den steilen Hang hinunter. Es war gegen Morgen, schon ziemlich hell. Am Waldrand suchte ich mit dem Fernglas das flache Land vor mir ab. In einigen hundert Meter Entfernung sah ich zwei serbische Grenzsoldaten, den Mantel hoch über die Ohren geschlagen, Zigarre im Mund, in eifriger Unterhaltung. Ich schlug einen Bogen und erreichte in der Deckung eines Gehölzes die Talsohle. Ich schlich abseitige Pfade entlang, an einer Sägmühle vorbei und umging das nächste Dorf, um nicht angehalten zu werden, da ich Gendarmen auf der Straße bemerkte. An einer Wegsenke wieder ein paar Häuser. Ein Gasthaus. Ich ging hinein, bestellte etwas zu trinken, nahm Platz am Fenster, um die Straße beobachten zu können. Im Gespräch mit dem Wirt erfuhr ich, daß er Besitzungen auf der österreichischen Seite habe und manchmal hinübergehe. Auf meine Bitte wechselte er mir mein deutsches Geld ein.
Dann marschierte ich abermals zwei, drei Stunden, bis ich mich sicherer fühlte. Nachmittags fuhr ich von einer Bahnstation mit dem Zuge nach Agram und blieb dort über Nacht in einem christlichen Hospiz. Beim Abendessen saß ich neben einem jungen Mann, einem Studenten, der eine freundliche, vertrauenerweckende Art hatte. Ich saß abends noch ein Stündchen bei ihm, erzählte ihm von meinen Fahrten und Schicksalen und daß ich jetzt in einer sehr unangenehmen, peinvollen Lage sei. Er stellte mir ein Empfehlungsschreiben aus, in dem ich als Deutsch- Amerikaner, aus Deutschland emigriert, bezeichnet wurde, und daß man mir überall freundliche Aufnahme und Unterstützung zuteil werden lassen solle. Auch beschaffte er mir den Stempel und
Kunter- Wittmann, Weltreise 10
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