Katastrophe stand unmittelbar bevor. Eine schreckliche Spannung war in den Menschen, jeder fühlte es herankommen wie ein Naturereignis.
Und dann war es plötzlich da, fast spielerisch machten es die Naziverbrecher, wie ein Gangster, der ein Ding dreht". Die apokalyptischen Reiter hatten ihren Ritt begonnen; unter den Hufen ihrer Pferde sollte Europa mehr als fünf Jahre lang zerstört, um Reichtum, Errungenschaften und den Fortschritt von Jahrhunderten gebracht werden.
Über mich kam es wie eine Panik. Jetzt mußte ich hinaus, koste es, was es wolle. Dem Fluch der wahnsinnigen Machenschaften in diesem Volk wollte ich nicht anheimfallen, ich wollte mich in keiner Weise mitschuldig machen an dem Verbrechen, das hier begangen wurde.
Jemand behauptete, daß von Jugoslawien aus noch Schiffe nach Südamerika führen. Da stand mein Entschluß fest. Ich mußte nach Jugoslawien durchzubrechen versuchen.
Ich gab also meinen Posten in dem Vergnügungslokal auf und fuhr zunächst nach Hause. Dort überfiel mich die Hiobsbotschaft, daß meine Mutter vor kurzem gestorben sei. Der Schlag traf mich schwer. Aber ich hatte nicht Zeit, an ihrem Grabe lange zu trauern. Ich mußte wieder weg, weiter. Mein Bruder unkte, warnte mich, die Grenze zu überschreiten, es gehe um meinen Kopf. Denn ich werde jetzt im Krieg als Deserteur gelten und nach den Kriegsgesetzen zum Tode verurteilt werden, wenn man mich beim Grenzübertritt abfaßte.
Mich konnte nichts halten. Ich mußte natürlich schwarz über die Grenze gehen, denn meine Papiere würden wahrscheinlich beanstandet werden, wenn ich sie vorzeigte, und auch sonst würde man mich nicht aus Deutschland hinauslassen. Ich fuhr über Regensburg , Passau nach Linz . Dann über Klagenfurt an die jugoslawische Grenze. Die Nacht verbrachte ich bei einem Bauern namens Hild in der Nähe von Völkermarkt , der mich von meinen früheren Reisen her kannte und der sich herzlich freute, mich wiederzusehen. Ich vertraute ihm meinen Plan an, und er unterstützte mich hilfreich in meinem Fortkommen.
In der Neujahrsnacht 1940 ging ich querfeldein durch hohen Schnee dem Großen Betzen an der jugoslawischen Grenze entgegen. Eisige Kälte durchfror
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