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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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fuhren wir dann nach Baden-Baden . Dort trennte ich mich von dem guten Mann.

Ich ging sofort zu dem Haus, in dem Nathusius sein Heim hatte. Glück- licherweise traf ich ihn an, und er nahm mich freundlich auf. Ich sprach an einem der folgenden Tage bei der Kurverwaltung wegen einer Anstellung vor, vielleicht als Dolmetscher, oder meinetwegen auch als Küchenhelfer oder als Portier. Der Kurdirektor empfahl mir, mich an Herrn Professor Ebert zu wenden, der hier die Reichsstelle für Bodenforschung leite. Ich begab mich dorthin und sprach mit Dr. Ebert und seinem Mitarbeiter, Dr. Mitthoff, dem Geophysiker. Professor Ebert war lange Zeit in Spanien tätig gewesen und sprach gut spanisch. Ich unterhielt mich mit ihm in dieser Sprache, und er stellte mich schließlich für einfache Arbeiten in seinem Institut an. Hans Haus, einer seiner Mitarbeiter, weihte mich in die Geheimnisse der Bodenforschung ein. Unser Tätigkeitsfeld lag vorwiegend im Wald und in den Bergen. Wir machten Widerstandsmessungen und Radioaktivmessungen. Ich verdiente schön und hatte nebenher noch Einnahmen aus Übersetzungen von geophysischen Arbeiten aus dem Englischen ins Deutsche. So verbrachte ich ungestört und beschaulich einen schönen Sommer in Baden-Baden und seiner herrlichen Umgebung.

Doch war ich innerlich unruhig und bedrückt. Oft lag ich nachts schlaflos und sann darüber nach, wie ich hier loskommen, meine Jagd nach den Papieren glücklich beenden und mich dann nach Tahiti einschiffen könne. Eine bange Ahnung beschlich mich, daß mir mit zunehmender Verschlechterung der Lage die Rückkehr zu Tete unmöglich gemacht werden würde. Besorgt verfolgte ich die Weiterentwicklung, zu jeder Stunde bereit, eine sich bietende Chance auszunützen und aus Deutschland zu verschwinden.

Ich witterte Unheil und Kriegsgefahr. Aus einer anderen, friedlichen und normal denkenden Welt nach Deutschland zurückkehrend, kam ich mir manch- mal wie in einem Tollhaus vor, wenn ich die Zeitungen las, die voller plumper und hanebüchener Lügen und Verdrehungen waren; wenn ich die Reden der deutschen Staatsmänner hörte, die, im Fuhrmannston gehalten, gespickt mit Anpöbelungen fremder Staatsmänner und Beleidigungen von Angehörigen des eigenen Volkes und anderer Völker, dem gesunden Menschenverstand und

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