Druckschrift 
Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
Seite
140
Einzelbild herunterladen
  

kommen könne. Aber ich kam schon gar nicht dazu, dies zu versuchen. Als ich mich in Zürich bei den Behörden anmelden wollte, wurde mir erklärt, daß ich binnen vierundzwanzig Stunden die Schweiz zu verlassen habe.

Ich befand mich in einer ausweglosen Lage, zumal mir meine Barmittel ausgegangen waren. Ich hatte noch ein paar Francs in der Tasche als Rest eines kleinen Vermögens, wobei man allerdings berücksichtigen muß, daß der französische Franc nur geringwertig war.

Wohin sollte ich mich wenden? Mein Geld reichte zu keiner großen Reise mehr, und die Schweiz mußte ich sofort verlasssn, wollte ich nicht als lästiger Ausländer abgeschoben werden. Es blieb in dieser kritischen Lage tatsächlich nur eins übrig: nach Deutschland zu gehen. Die Entscheidung unterlag nicht mehr meinem freien Willen, die Entwicklung war zwangsläufig. Es war mir, als werde ich auf einen vorgeschriebenen Weg gezwungen.

Ich fuhr über die Grenze nach Singen am Hohentwiel. Mit meiner letzten Mark ging ich ins Gasthaus zum Kreuz, um eine Tasse Kaffee zu trinken und dabei meine heikle Lage zu überdenken. Es war klar, daß ich sofort eine Arbeit annehmen mußte, um mich durchzubringen. Bei allem war ich doch sehr zuversichtlich. Nach einer Stunde, als ich meine letzte Zigarette geraucht hatte, wollte ich aufbrechen, um die notwendigen Schritte für meine Existenz­sicherung zu unternehmen, da fuhr ein Auto vor, und herein trat ein Herr, der nach kurzer Umschau im Lokal an meinem Tisch Platz nahm. Er hieß Erwin Schneider und besaß eine Autoreparaturwerkstätte in Sigmaringen . Wir kamen ins Gespräch, tasteten uns gegenseitig ab, auf die vorsichtige Weise, wie man das damals in Deutschland tat, ehe man sich nach und nach als Nazi­gegner bekanntgab. Wir verstanden uns in dieser wie auch in anderer Hinsicht vortrefflich. Er sagte, er fahre über Freiburg und Baden- Baden nach Karlsruhe . Auf meine Bitte erklärte er sich gern bereit, mich mitzunehmen. Wir fuhren also zunächst nach Freiburg . Ich hatte ihm einiges von meinen Reisen und Abenteuern berichtet und ihm auch nicht verhehlt, daß ich mich in einer sehr mißlichen Lage befinde. Er steckte mir insgeheim einen Geldschein in die Rocktasche, und ich tat so, als bemerke ich es nicht. In Freiburg besuchten wir die Schwester meines Gönners, die uns freundlich bewirtete und gern ein Stündchen meinen Erzählungen aus aller Welt zuhörte. Gegen Abend

140