Ich bedrängte ihn fast. ,, Mensch, warum spielen Sie nicht weiter?"
Er lächelte fein. ,, Weil es gegen mein Prinzip verstoßen würde."
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Welches Prinzip?"
,, Sie fragen naiv. Wissen Sie nicht, daß kein Spieler sein Prinzip verrät?" ,, Haben Sie viel Erfolg im Spiel?"
" Ja."
,, Ich möchte es auch mal versuchen. Können Sie mir nicht einen Typ geben?" Er betrachtete mich nachdenklich. ,, An Ihrer Stelle würde ich es lieber bleiben lassen. Aber versuchen können Sie's ja mal. Ja, ich gebe Ihnen auch einen Typ, weil Sie es sind. Hören Sie jedesmal sofort auf, sobald Sie das erste Spiel verlieren. Das erfordert viel Willenskraft, aber es lohnt sich auf die Dauer."
,, Na, lange kann man dann aber nie spielen, denn es geht doch meist nur ein paar Minuten gut, dann kommt unfehlbar ein Verlust."
,, Allerdings."
Ich nahm am Roulettetisch Platz, setzte hundert Francs. Gewann. Nochmals hundert. Wiederum flogen mir ein paar Scheine zu. Fünf-, sechsmal hatte ich Glück. Dann verlor ich. Aber ich dachte nicht daran, aufzuhören. Die Spielleidenschaft hatte mich gepackt.
Ich verlor zum zweitenmal, gewann wieder, verlor. Die Verluste blieben in der Minderzahl. Nach einer halben Stunde hatte ich einen Berg Banknoten vor mir liegen. ,, Machen Sie jetzt Schluß", raunte mir die Stimme des hinter mir stehenden Nathusius zu, als ich dann wieder zwei-, dreimal verlor. Aber ich drehte mich nicht mal nach ihm um. Keine Macht der Welt hätte mich jetzt vom Spieltisch weggebracht.
Es kam eine Serie von Verlusten, dann wieder ein paar Gewinne; ein paarmal ging es hin und her, aber die Glückssträhne kam nicht wieder. Ich verbiẞ mich in das Spiel, wollte wenigstens noch eine Gewinnserie haben. Aber sie ließ sich nicht herbeizwingen. Mein Häufchen Banknoten schmolz zusammen. Ich griff nach meiner Brieftasche. Im Handumdrehen war der ganze Inhalt verspielt. Ich hatte dreitausend Francs bei mir gehabt.
Ich wandte mich um und sagte fast schroff zu Nathusius: ,, Leihen Sie mir tausend Francs."
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