Da hatte ich nun den Platz gefunden auf Erden, der wie geschaffen für mich war. Ich war glücklich und zufrieden, gewillt, den Nachbarn in seinem Glück und seiner Zufriedenheit nicht zu stören. Schon paẞte es einem andern nicht, einem, der mich gar nicht kannte, dem ich gleichgültig sein mußte wie er mir. Irgendeine Maschinerie wurde in Bewegung gesetzt, Federn raschelten in einem Büro, Schreibmaschinen tippten, emsig und gewichtig hantierten Menschen, die einen Posten und ein gutes Einkommen hatten, und deren Beruf es war, Ordnung zu schaffen und eine menschliche Gemeinschaft zu organisieren dort, wo vorher nur eine göttliche Ordnung bestanden hatte und eine Gemeinschaft, die sich harmonisch und selbstverständlich gegliedert hatte, ohne Zwang und amtliches Verfahren. Gleich einem Giftpfeil aus dem Hinterhalt kam ein Papier angeschossen und zerstörte brutal das Glück und den Traum eines Menschen.
Es mußte sein. Tete sprach es schließlich selber aus. Ich war zu feig dazu. Wir sprachen uns gegenseitig Mut zu, suchten einander zu trösten: ,, Es dauert ja nicht lange, dann sind wir wieder beieinander. Dann feiern wir Wiedersehen, dann ist die Freude und das Glück um so größer. Nichts und niemand soll uns dann auseinanderreißen!"
Ich weiß nicht, wer unter der Trennung mehr gelitten hat, sie oder ich. In manchen Stunden war sie untröstlich, dann mußte ich sie halten und innerlich aufrichten, während es auch Stunden gab, wo sie mich tröstete und mir zuversichtlich zusprach.
Auf dem Gouvernement erhielt ich die Auskunft, daß ich wahrscheinlich schon in Panama bei dem dortigen französischen Konsul die notwendigen Papiere erhalten werde. Ich beschloß also, nach Panama zu fahren.
Der Dampfer ,, Commissaire Ramel", der von Numea über Zentralamerika nach Marseille fuhr, sollte mich meiner geliebten Tete entführen. Der schwere Tag brach an.
Unser einziger Trost war, daß die Trennung nicht lang dauern und die Trauung sofort nach meiner Rückkehr stattfinden werde. Küsse. Tränen. Umarmung. Das, was millionenmal schon unter Menschen geschah, die sich lieben und voneinandergehen müssen. Abschied nehmen: welch herbes, bittersüßes Geschehen!
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