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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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beginnen würde, ich hatte eine schöne, geschäftliche Zukunft vor mir, ein sorgenfreies Leben, ich war in allem gesichert, durfte auf meiner Insel, bei was konnte mir noch widerfahren? Ich war der geliebten Frau bleiben

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der reinste Glückspilz, alles fiel mir zu, als wären die letzten Wünsche meines Herzens von einer gütigen Fee erfüllt worden. In mir war Jubel und Dank ohne Maß.

Je mehr wir uns jedoch unserem Hause näherten, desto mehr befiel mich ein unerklärliches, bedrückendes Gefühl. Eine dunkle Ahnung stieg in mir auf, als ob mir etwas Schweres bevorstände, ein harter Schlag mich treffen werde. So sehr ich mich auch selber beschwichtigen und meine Unruhe vor Tete verbergen wollte, ich wurde das böse Gefühl nicht los.

Zu Hause fand ich ein Schreiben des Gouverneurs vor. Nichts Gutes ahnend, öffnete ich es und bemerkte dabei, daß meine Finger leicht zitterten. Er teilte mir mit, daß er von meiner Absicht, auf Tahiti zu bleiben und zu heiraten, Kenntnis genommen habe. Es stehe dem nichts im Wege, wenn ich mir die ordnungsgemäßen Papiere besorge. Da ich deutscher Nationalität sei, müsse ich von einem französischen Generalkonsul oder aber in Paris mir die Aufent­haltsgenehmigung besorgen. Es werde mir nichts anderes übrigbleiben, als diese Papiere an Ort und Stelle zu beantragen. Ich müsse dieserhalb persönlich bei der zuständigen Behörde vorstellig werden.

Im ersten Augenblick stand ich wie betäubt. Wie ein Schlag aus dem Hinterhalt traf die Erkenntnis mein Herz: Trennung von der geliebten Frau! Raus aus dem gelobten Lande. Vertreibung aus dem Paradies. Zurück nach Gott - weiß- wohin. Viele tausend Meilen von hier weg. Mir war, als versinke ich viele tausend Meilen ins Nichts.

Wir ließen Tage dahingehen, wagten nicht von der grausamen Notwendig­keit zu sprechen. Aber es stand unausgesprochen zwischen uns, das eiserne Muß, es verdüsterte uns den goldenen Tag, es nahm uns Freude und Ruhe. Warum muß denn der Mensch immer gleich büßen, wenn ihn ein gütiges Geschick einmal auf den Gipfel des Glücks geführt hat?! Wie machtlos sind wir allen Launen und Tücken des Schicksals preisgegeben! Heute so, morgen so. Nichts hat Bestand. Wahrlich: des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zuteil.

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