kämpfend, schwimmend stieß ich zum Boot vor und konnte gerade noch den Bootsrand anfassen, ehe ich von einer neuen Welle erfaßt wurde. Erst dann wurde mir die Größe der Gefahr bewußt, in der ich gewesen war. Das Spiel der Welle hätte mich auch in den Strudel ziehen und irgendwo an der Brandung zerschellen lassen können, anstatt mich auf den sandigen Strand zu werfen.
Am dritten Tag in der Bucht dieser kleinen Insel wollten wir die Anker lichten. Da kam unser Rinaldo Rinaldini an Bord und verlangte eine unverschämt hohe" Hafengebühr". Er erhielt ordentlich was zu trinken und gab sich dann mit der Hälfte der geforderten Summe zufrieden, als er merkte, daß er andernfalls gar nichts bekommen werde. Der olle Freibeuter hatte einfach einen unserer Leute auf dem Land gefangengesetzt in der Vorausahnung, daß sein Erpressungsmanöver sonst vielleicht nicht gelingen werde. Aber es wurde ihm klargemacht, daß wir seine geheiligte Person so lange an Bord behalten würden, bis unser Mann zurück sein werde. Da gab er unter Protest nach und einigte sich mit uns. Mister Leeds gab nach diesem spaßhaften Auftritt den Helfershelfern Rinaldo Rinaldinis mehr Trinkgeld, als die geforderte Hafengebühr ausgemacht hätte.
Die Moana" änderte nun den Kurs und fuhr dem Märchenland der Südsee entgegen. Tausende von Meilen ging es durch die blauen Wasser des Pazifik, durch die unendlichen Weiten einer stillen, schönen Wasserwelt. Tagein, tagaus dasselbe Bild. Es war, als führe man durch die Ewigkeit ins Jenseits.
Beim Überqueren des Äquators gab es eine heitere Szene an Bord. Es waren verschiedene unter uns, die den Aquator noch nie passiert hatten, und die ,, getauft" werden mußten. Wir errichteten am Vorschiff auf Steuerbordseite ein Bassin mit einem Thron darin für Neptun. Der Wassergott wurde von Mister Leeds dargestellt. Wahrscheinlich wollte er sich selbst dadurch der Taufe entziehen.
Die„ Täuflinge" wurden von den Schergen Neptuns herbeigeschleppt. Manche wehrten sich energisch. Unheil ahnend. Aber es half ihnen nichts. Sie wurden ziemlich unsanft gepackt, zum Rasieren fertiggemacht, eingeseift mit einem Schaum aus Seife und Schlagsahne, mit einem riesigen Holzmesser bearbeitet und zum Schluß kopfüber in das Bassin geworfen. Neptun in einem kostbaren roten Mantel mit der tangüberhängten Gabel in der Hand sah dem
116


