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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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fische. Unter einem aus fünf Meter herunterstürzenden Wasserfall badeten wir. Dann streckten wir uns in der Sonne lang. Kokosnüsse lagen in Mengen umher. Ich glaube, als Robinson könnte man es gut und gern mal eine Weile aushalten. Mister Leeds und etliche seiner Trabanten fingen Fische, mit Schuß­waffen und Harpunen. Sie erlegten vor allem einige Manda", ein Fisch in der Größe von einem Meter im Geviert, der sich kräftig wehrte und im Todes­kampf eines unserer Boote fast einen Kilometer weit mit ins Meer hineinzog. Die Kokosinsel soll übrigens früher das Versteck von Seeräubern gewesen sein. Man hat in Höhlen altmodische verrostete Waffen gefunden, ebenso un­mittelbar unter der Küste im Sand versackte Wracks von Holzschiffen, von denen man vermutet, daß sie den Seeräubern gehörten. Auch hatte einmal eine amerikanische Expedition nach Gold gesucht. Wahrscheinlich mit Erfolg. Denn später verbot die Regierung von Costa- Rica solche Unternehmungen, wohl aus dem Grunde, weil sie selber die Goldadern abbauen wollte.

Von der Kokosinsel ging's mit südlichem Kurs den Galapagosinseln ent­gegen. Wir legten vor der Insel St. James an, die unter der Verwaltung des Kleinstaates Ecuador steht. Die Insel ist von etwa sechzig Menschen bewohnt. Eine kleine Polizeitruppe befindet sich dort, acht Mann, die aber nicht gerade einen günstigen Eindruck auf die Fremden machen, sondern mehr wie See­räuber wirken. Der Polizeichef trat uns wie ein romantischer Landstreicher entgegen. Er trug eine schmierige Jacke, die früher wohl mal weiß gewesen war und eine zerlumpte Hose, zerrissene Stiefel und einen riesigen, alt­modischen Revolver am Gürtel, ein richtiger Rinaldo Rinaldini. Er gab sich aber doch würdig und war sichtlich bestrebt, sich Respekt zu verschaffen.

Ich machte mit Jack einen Streifzug quer durch die Insel und hatte dabei eine Begegnung mit den Gebrüdern Angermeier aus Hamburg , die hier eine Art Robinsondasein führten. Sie bauten noch an ihrem Haus, es war fast fertig. Sie waren vor dem Naziterror aus Deutschland emigriert und lebten hier glücklich und zufrieden und ohne böse Nachbarn. Der eine Bruder war verheiratet mit einer Holländerin. Drei Menschen im Paradies.

In mir stieg eine fast quälende Sehnsucht nach solch einem Leben auf. Ich glaube zwar, es ist nicht ganz leicht, sich daran zu gewöhnen als Europäer, der der Natur entfremdet und von der Zivilisation verzogen ist. Aber wenn man die Entziehungskur durchhält und in der einsamen Welt Wurzel schlagen kann,

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