Ich hantierte als Carly-boy, das heißt als vierter Koch, der mehr oder weniger Handlangerdienste leisten, die verschiedenen Lebensmittel und Zu- taten aus den Magazinen herbeiholen, Kaffee kochen und unter Aufsicht an der Zubereitung der Speisen arbeiten muß.
Aber mit Wonne trug ich alles herbei, half ‚mit, aß mit. Alles, was das Herz begehrte, gab’s; feinste Delikatessen, wunderbar zubereitete Gerichte, Kunstwerke fürs Auge und für den Gaumen. Braten, Fisch, Toaste, hors d’auvres, Früchte, Puddings, Torten, Sandvichs. Mittags verschiedene Gänge. Schildkrötensuppe. Steaks. Mayonnaisensalate. Desserts mit Cakes. Eiskaffee und Schokolade. Feinste Weine, Papst- und Knickerbockerbier, Whisky, Cocktails.
Es wurde geschlemmt und gepraßt. Nur gut, daß ich immer aufnahmefähig und gesundheitlich gut beieinander war und nicht seekrank wurde.
Unser schwimmendes Schlaraffenland nahm Kurs auf die Kokosinsel, fünf- hundert Meilen westlich Panama . Nach ein paar Tagen tauchte vor uns in der Morgensonne ein kleiner Hügel auf, der langsam wuchs. Das Eiland war schön bewaldet, eine Insel der Seligen, Quellen und Bächlein sprudelten überall. Einsamkeit seit ewigher. Eine kleine Welt für sich, dieser mit undurchdring- lichem Wald bewachsene Gebirgsstock mitten im Ozean. Ein schmaler Streifen Küste, grünes Land. Die Insel ist unbewohnt; sie gehört zu Costa Rica , dem Zwergstaat in Zentralamerika . Früher hatte die Regierung hier ein paar Sol- daten stationiert. Eine alte, verfallene Hütte zeugt von dieser vergangenen Pracht der Kolonisation. An einem Baum war eine alte Tonne befestigt, die eine Art Briefkasten darstellte. Manche Besucher der Insel warfen hier Briefe ein in der verwegenen Hoffnung, daß diese Grüße aus der Ferne befördert würden und ihre Lieben in der Heimat erreichten. Auch ich tat ein Brieflein hinein, erhielt aber nie Bescheid, daß es ans Ziel gekommen sei. Die Hütte war im Innern verziert mit allerlei Nameninschriften, unter anderem auch mit der des Grafen Luckner, den aus dem ersten Weltkrieg bekannten Kapitän des„Seeteufel“.
Mein'Kamerad Jack und ich hatten für ein paar Stunden Landurlaub ge- nommen. Wir tummelten uns auf dem grünen Landstreifen und im Geröll des Strandes. Das Wasser ist an der Küste nicht tief; man konnte stellenweise durch die blaue Flut hindurch auf den Grund sehen. Es wimmelte von Fischen aller Art. Etwas entfernt lagerten große schwarze Schatten in der Tiefe. Hai-
Kunter-Wittmann, Weltreise 8 113


