In den unten gelegenen Eisboxen des Schiffes befanden sich hauptsächlich die Provianträume. Ein ausgewähltes Lager von Lebensmitteln und Delikatessen aller Art vereinigten sich hier zu einem Stilleben, wie man es wohl selten in einem Luxushotel findet. Ausgeschlachtete Kälber, Rinder, Schweine, in Seidenpapier verpackte Hühner, Fasanen und anderes Geflügel, Kisten mit Butter, Eier, sogar frische Milch in besonders konstruierten Behältern, die feinsten Leckerbissen, alles, was den Gaumen erfreuen kann, in Hülle und Fülle Kostbarkeiten, die eines Lukullus würdig gewesen wären. Dazu ein wohlsortiertes Wein- und Whiskylager. Ich hatte die Aufgabe, diese Räume zu„ betreuen". Ich tat es gründlich und mit dem Erfolg, daß ich bei meiner Ankunft in Tahiti dreiundachtzig Kilogramm wog.
Es war also reinweg ein Schlaraffenleben, das man hier auf dem weiten Weltmeer führte, und niemals wieder ist es mir so gut gegangen, was ein genußreiches und sorgloses Leben anbetrifft.
Die Leute, in ein so angenehmes Dasein hineingestellt, vertrugen sich gut miteinander und zeigten sich alle von ihrer besten Seite. Das Leben an Bord glich also einer harmonischen Familiengemeinschaft; es war wie ein immerwährender Festtag. Man konnte auch originelle Typen unter den Schiffsbewohnern finden und allerlei Menschenstudien machen. Der Arzt hatte fast nichts zu tun und gab sich seinen Studien und privaten Neigungen hin. Seine Assistentin begann offenbar mit der Gesundheitspflege bei sich selbst, sie lag den ganzen Tag über hinter einem Boot am Bootsdeck in der Sonne. Der Sekretär Hennersy war zurückhaltend und kühl. Mister Leeds erschien immer einfach und heiter. Bei der Tafel saß er in einer blauen Marine- Uniform, doch ohne jegliche Tressen und Schmuck. Dagegen seine Frau, der Arzt und die meisten Gäste in großer Aufmachung.
Unter der Schiffsmannschaft ging es rauh aber herzlich zu. Sehr fein waren sie nicht in ihren Ausdrücken, aber gute Kameraden. Mit dem zweiten Koch stand ich mich am besten. Mit ihm verbrachte ich auch jeweils meinen Landurlaub. Er war groß und stark, sah aus wie ein Cowboy. Dagegen Julius, der erste Koch, dürr, schmächtig, einsiedlerisch, seine Arbeit wie eine Mission und mit einer Hingabe wie ein Künstler an seinem Werk betreibend. Er sprach alle möglichen Sprachen und war sehr- gescheit.
112


