Druckschrift 
Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
Seite
111
Einzelbild herunterladen
  

und doch nicht ungelenk. Noch ein paar Damen und Herren, Gäste von Mister Leeds, eine schöne, blonde Assistentin, die Gehilfin des Arztes. Der Sekretär Hennersy, Sohn eines bekannten amerikanischen Millionärs. Die Mannschaft setzte sich zumeist aus Amerikanern zusammen, war anscheinend aber ver­schiedener Abstammung. Denn man hörte abends im Mannschaftslogis ver­schiedene Sprachen, schwedisch , französisch, spanisch. Ich war der einzige Deutsche , doch konnte der eine und andere etwas Deutsch .

Ehe die ,, Moana" auslief, kam es zu einem kleinen Zwischenfall. Die so­genannte Emigration, eine Kontrollbehörde, erschien an Bord, um die üblichen Formalitäten zu erledigen. Ich mußte auch meine Papiere vorzeigen. Mein Paß war nicht in Ordnung. Er trug kein Visum, weil ich illegal in Panama eingereist war. Damals in Christobal- Colon war ich ja heimlich von Bord ge­gangen. Da stand ich nun am Ende meines Lateins und hätte nicht ausreisen dürfen, wenn nicht Mister Leeds persönlich eingegriffen hätte. Er mußte wohi schon Gefallen an mir gefunden haben. Sein Wort und die Kaution, die er für mich hinterlegte, verfehlten ihre Wirkung nicht, und so ließ man mich ungeschoren.

An Bord dieses Schiffes lebte man in Saus und Braus. Wir Angestellten hatten wenigsten etwas zu tun. Die armen Herren und Damen mußten sich die Köpfe nach einem Zeitvertreib zerbrechen.

Die Jacht war ehemals ein Frachtschiff gewesen, das zu einer modernen Motorjacht umgebaut worden war. Das Schiff hatte weißen Anstrich, ein herrliches Bootsdeck, einen ovalen, breiten, gelben Schornstein. Es strotzte alles von Pracht und Überfülle. Elegante, breite Kojen, mit blauen Leintüchern ausgelegt. Am Fußende der Betten mit den Füßen leicht zu bedienende Venti­latoren, am Kopfende Licht, an den Seiten Aufsätze für Geschirr und Aschen­ becher , unter den Betten Schubladen für Wäsche und Bedarfsartikel, alles praktisch eingerichtet und im Liegen zu erreichen. In den Wasch- und Toiletten­räumen große, kostbare Spiegel. Die prunkvollen Wohnkabinen für Mister Leeds und seine Gäste nahmen den mittleren Teil des Schiffes ein. Außerdem befanden sich dort Gesellschafts- und Spielräume, dann gab es Bäder und Sportplätze, an Deck eine mit allem Raffinement eingerichtete Bar. Durch die Länge des Schiffes führte ein weißer, prächtiger Gang. Überall Glanz und Pracht, Luxus und Reichtum.

111