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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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Über Land und Meer

Wir blieben einen Tag und eine Nacht bei unseren Wohltätern, fuhren mit ihrem Wagen eine Strecke, schliefen nachts unter der Plane. In langsamer Fahrt ging's steil auf einen Höhenrücken hinauf. Ein schöner Ausblick bot sich unserem Auge. Tief unten im Tal lag im Grünen eingebettet der hübsche Ort Uspalato. Wir saugten das freundliche Bild mit unseren Augen förmlich ein, so sehr lechzten wir nach einer Natur, die nicht menschenfeindlich war.

Im Ort trennten wir uns von unseren Betreuern, blieben in dem idyllischen Ort über Nacht und wanderten dann weiter zur chilenischen Grenze, die nicht mehr weit entfernt war, unter Zypressen an einem Flüßchen entlang. Das Tal wurde eng und romantisch. Es krümmte sich und eröffnete plötzlich einen wilden Felsenkessel. Zackige und riesige Blöcke standen unübersehbar in weiter Runde, lagen übereinander. Auf der einen Seite breitete sich eine Ebene aus, auf der wie von einer gewaltigen Faust eine Menge Steine hineingeworfen waren. Die Steine waren vielfach so groß wie dreistockige Häuser. Dazwischen lag im Winkel die Grenzstation zwischen Argentinien und Chile ,,, Ponte Inka". Sie sah aus wie ein paar Steine unter den Steinen. Durch dieses Meer von Steinen zog die Straße hinauf zum Paß Monte Christo, der ungefähr 4000 m hoch liegt. Auf seiner Höhe erhebt sich an der Grenze eine kolossale Jesus­statue, weithin in den Ländern sichtbar. Von dort aus hatte man wunderbare Aussicht über viele Gebirgszüge. Zu meiner Rechten ein noch tätiger Vulkan, der Aconcagua ( 6953 m hoch).

Wir passierten den ersten chilenischen Ort und hatten bei der Wieder­begegnung mit der Zivilisaton auch gleich Verdruß. Hinter uns erschien auf einmal ein berittener Gendarm und brachte uns zur Station zurück. Wir wur­

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