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Durst
Allmählich wurde das Tal enger, das Vorgebirge lag hinter uns, das Massiv der Kordillieren nahm uns auf. Wir hatten schon eine ziemliche Höhe erreicht, Wiesengrün und Blumen waren verschwunden, kein Baum und Strauch mehr, nur noch etwas Knüppelgehölz. Dunkel drohend standen Felsen und Bergwände vor uns; wir hatten keinen guten Eindruck und ahnten, was uns bevorstand. Wir wanderten durch eine uralte, böse Bergwildnis.
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Aber da auf der Höhe eines Berges angelangt grüßte uns überraschend ein freundliches Bild. Ein Idyll in düsterer, kahler Umgebung: oasenhaft inmitten grüner Weiden und Äcker ein Dörfchen, lieblich und einladend dem Auge dargeboten.
In dem Ort arbeitete gerade eine Kolonne von Carrateros( Straßenarbeiter). Deren Vorarbeiter war ein Deutscher. Bei ihm konnten wir unseren Vorrat noch durch wichtige Kleinigkeiten ergänzen. Er veranlaßte uns auch, noch mehr Wasser mitzunehmen, denn wir würden einen weiten Weg durch wildes Gebirge haben, menschen- und wasserarm.
Dann kletterten wir auf Pfaden, die immerhin noch erkennbar waren, in steilen Windungen in die Berge hinein und hinauf, wieder hinunter, wieder hinauf. Wir befanden uns im wüsten Labyrinth der Kordillieren. Endlos dehnte sich das Plateau riesiger, oft grotesk geformter Felsen, endlos die Reihen wildzerklüfteter Bergwände. Die Berge drängten in Massen hintereinander, schoben und quetschten sich. Ganze Wolken von Erd- und Steinmassiven verstellten den Blick zum Horizont, darüber und dazwischen die Wolken der Luft, dunkel und drohend. Nebel brauten, Winde rauschten. Ein wunderliches Gefühl beschlich mich. Es war, als wehe mich ein Hauch uralter


